Vollmacht und Verantwortung – „In einem anderen Leben“

Vollmacht und Verantwortung:

Die Übernahme einer Vollmacht und Verantwortung für die WohlSorge eines anderen Menschen beinhaltet vielfältige Aspekte.

Es ist ein großer Vertrauensbeweis, der für „blindes Vertrauen“ spricht, wenn man als Vertretungsberechtigter eingesetzt wird.

Eine Vertretung ausüben bedeutet, dass ich mich in einem anderen Leben bewege – diese Leben maßgeblich steuere und darüber entscheide.

Von der Vollmachtserteilung zur Umsetzung:

Die Ausübung einer Vollmacht kann als schleichender Prozess beginnen, wenn der Vollmachtgeber allmählich nicht mehr in der Lage ist, Dinge eigenständig zu regeln. Es kann ein Thema sein, dass ad hoc eintritt und somit unmittelbar bewältigt werden muss. Dies ist ganz ähnlich wie bei einer Testamentsvollstreckung, wo die Tätigkeit auch nicht in ruhigere Zeiten verlegt werden kann, sondern sofort beginnen muss.

Was ist „in einem anderen Leben“ zu tun?

Sich in einem anderen Leben bewegen bedeutet unter anderem im finanziell-wirtschaftlichen Bereich Entscheidungen herbeizuführen und umzusetzen wie z.B.:

  • Pflegevereinbarungen abschließen, die Pflegekosten über Standard hinaus verantworten  und die übersteigenden Kosten aus der laufenden Liquidität oder dem Vermögen zu entnehmen
  • in medizinische Behandlungen einwilligen und die ggf. übersteigenden Kosten aus Liquidität/Vermögen entnehmen
  • Vermögen anlegen und über Rendite und Chancen entscheiden
  • Immobilien verwalten und über die Vermietung, laufende Kosten, Investitionen, Ersparnismöglichkeiten z.B. im Energiesektor entscheiden und diese überwachen
  • ein vorhandenes Unternehmen selbst weiterleiten, abwickeln oder kompetente Personen in die Leitung einbinden
  • Steuerliche Erklärungen abgeben und verantworten
  • Bei Vermögensverzehr über die Rangfolge der Veräußerung von Vermögensgegenständen entscheiden und dies verantworten
  • wichtige Menschen/Unterhaltsberechtigte angemessen versorgen
  • …..

Viele dieser Entscheidungen sind unter Eheleuten in einer funktionierenden Beziehung alltäglich und jeder erfüllt den Part, den er kennt und beherrscht. Dies kann herausfordernd werden, wenn ich mich als Ehepartner auf neuem und fremden Terrain bewegen muss.

Für Dritte wie z.B. Kinder oder vertraute Menschen sind diese Themen in einem anderen Leben oft komplettes Neuland, der Betroffene kann aus gesundheitlichen Gründen nicht befragt werden. Der Zeitaufwand für einen personen- und sachgerechten Umgang im anderen Leben, erfordert viele Entscheidungen in den Bereichen Aufenthalt, Gesundheit und Vermögen. Ein hohes Anforderungsprofil an denjenigen, der die Zukunft eines anderen Menschen aktiv gestalten soll.

Dieser Verantwortung für ein anderes Leben kann ein Vertreter nur gerecht werden, wenn ihm die Leitplanken seines Handelns und die wirtschaftliche-finanzielle Basis seines Tuns im Vorfeld umfassend bekannt sind.

Im anderen Falle kann nur gemutmaßt werden, was sich dieser Mensch in seiner Situation gewünscht hätte….

Dieser Weg kann weder für den Vertretenen noch für die Vertreter wünschenswert sein.

WohlSorge-Beratung bedeutet Verantwortung für Notsituationen aktiv und individuell gestalten!

Vertretungsregelungen und die dazugehörigen Vereinbarungen sind individuell und basieren auf einer wirtschaftlich-finanziellen Struktur!

Vollmacht und Rivalität der Erben

 

Die Auswahl der Person…

In der Praxis der WohlSorge-Beratung zeigt sich immer wieder, dass das Thema Vollmacht (Vertetungsregelung) und die mögliche Rivalität innerhalb der Familie in den Fokus genommen werden müssen.

Die Auswahl der „richtigen“ Person für die Vertretung in Notsituationen und bei Handlungsunfähigkeit ist schwer, weil die Vorstellung dieser Situation belastend und unangenehm ist. Jeder Mensch möchte gerne das Heft in der Hand halten und selbstbestimmt sein – Die Vorstellung der Fremdbestimmung ist unangenehm.

In meinem Sinne handeln…

Wem also kann ich als Mensch so vertrauen, dass er/sie die Dinge in meinem Sinne regelt in den wichtigen Bereichen meiner Gesundheit, meines Aufenthaltes und meines Vermögens?

Wer hat hinreichende Kompetenzen und kennt meine persönlichen Leitlinien des Handelns, meine Wertvorstellungen vom Leben in solch einer Situation?

So beantwortet sich von alleine, dass ein reiner Fragebogen zum Ankreuzen der Individualität eines Menschen und seines Vermögens nicht annähernd gerecht wird – gleiches gilt für die zwischenzeitlich im Internet verfügbaren „Vollmachtsgeneratoren“ verschiedener Anbieter. Es braucht Beratung, dies werden wir auf dem Blog zu gegebener Zeit noch näher für Sie beleuchten.

In Familiensituationen mit mehreren Kindern und/oder Patchworkfamilien kommt eine weitere Komponente hinzu.

Vollmacht und Rivalität der Erben:

Zunächst ist für einen Vertretungsberechtigen die Übernahme dieser Aufgabe zu fitten Zeiten des Vollmachtgebers nur eine kleine Aufgabe und ein großer Vertrauensbeweis. Für die nicht Beteiligten Geschwister kann es somit schnell folgende Wahrnehmung bedeuten:

  • Eifersucht
  • Konkurrenz
  • Fehlendes Vertrauen der Eltern
  • Informationsdefizit
  • kein Umgang miteinander auf Augenhöhe
  • Angst vor Benachteiligung auf finanzieller Ebene
  • ….

WohlSorge-Beratung sollte diese emotionalen Aspekte bei der Auswahl der handelnden Personen mit in den Blick nehmen. Meine Erfahrung ist, dass Eltern diese Bedenken schnell selbst äußern und um Unterstützung bei dieser wichtigen Fragestellung bitten.

Dieser latente Konflikt beinhaltet viele Chancen und Ansätze für die WohlSorge-Beratung. So kommen Sie mit der richtigen Methodik zu einer Vielzahl von Ansatzpunkten und schaffen intensiven Kontakt zur Nachfolgeneration.

WohlSorge schafft Verbindungen!

Anlageentscheidungen durch einen Bevollmächtigten und WpHG

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Fälle, in denen Bevollmächtigte im Rahmen einer Vorsorge- Generalvollmacht für den Vollmachtgeber Bank- und Anlagegeschäfte tätigen, nehmen aufgrund der Überalterung der Gesellschaft merklich zu. Unsicherheiten bei den Beratern und den Bevollmächtigten sind an der Tagesordnung. Dabei ergeben geht es u.a. um folgende Fragestellungen:

  1. Kann, darf oder muss mit dem Bevollmächtigten die Basisdokumentation gem. WpHG durchgeführt werden?
  2. Kann der Bevollmächtigte in abweichende Risikoklassen investieren, als mit dem Kontoinhaber festgelegt wurde?
  3. Macht es einen Unterschied, ob der Vertreter als Bevollmächtigter oder als Betreuer agiert?

Kann, darf oder muss mit dem Bevollmächtigten die Basisdokumentation durchgeführt werden?

Die Beantwortung der Frage ergibt sich im Grunde schon aus den Formularen, die für die Basisdokumentation eingesetzt werden. Diese sehen vor, dass nicht zwangsläufig der Kunde, sondern auch ein Bevollmächtigter als handelnde Person der Adressat der Basisdokumentation sein kann.

Basisdoku

Kann der Bevollmächtigte in höhere Risikoklassen investieren als mit dem Kontoinhaber im Rahmen der Basisdokumentation festgelegt wurde?

In den gängigen Vollmachten finden sich zur Vermögenssorge folgende Formulierungen:

Der Bevollmächtigte darf mein Vermögen verwalten und hierbei alle Rechtshandlungen und Rechtsgeschäfte im In- und Ausland vornehmen, Erklärungen aller Art abgeben und entgegennehmen sowie Anträge stellen, abändern, zurücknehmen, namentlich:

  • Über Vermögensgegenstände jeder Art verfügen
  • Zahlungen und Wertgegenstände entgegennehmen
  • Verbindlichkeiten eingehen
  • Willenserklärungen bezüglich meiner Konten, Depots und Safes abgeben.
  • Er darf mich im Geschäftsverkehr mit Kreditinstituten vertreten.
    Aus: Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter, Verlag C.H. Beck

 Somit ergibt sich aus der Vollmacht, dass der Bevollmächtigte gegenüber der Bank wie der Kontoinhaber selbst agieren kann. Die Basisdokumentation hat zum Ziel aufgrund der Erfahrungen und der Anlageziele die Eignung der Anlage zu prüfen. In einem Fall, in dem Kunde selbst nicht mehr handeln kann und auf die Vertretung durch den Bevollmächtigten angewiesen ist, wird sich in vielen Fällen auch eine andere Ausgangssituation ergeben als die, die im Rahmen der ursprünglichen Dokumentation festgehalten wurde. Diese Herausforderung lässt sich nur dahingehend meistern, dass:

  • Der Bevollmächtigte frühzeitig in Anlageentscheidungen und in das Gespräch mit der Bank mit einbezogen wird.
  • Bei einer Vollmacht nicht nur das Außenverhältnis, d.h. die Vollmacht erstellt wird, sondern das Innenverhältnis der Vollmacht detailliert geregelt wird.

Beide Punkte werden im Estate Planning (Generationenberatung) wenn es richtig betrieben wird, behandelt.

Macht es einen Unterschied, ob der Vertreter als Bevollmächtigter oder als Betreuer agiert?

Fälle, in denen Anlageentscheidungen durch den Bevollmächtigten aufgrund einer fehlenden oder nicht aktuellen Basisdokumentation nicht ausgeführt werden, sind leider keine Seltenheit. Den Bevollmächtigten wird empfohlen, sich als Betreuer bestellen zu lassen. Als Betreuer könne er dann die Anlageentscheidung treffen.

Ein derartiges Vorgehen ist grob fehlerhaft. Aufgrund einer vorhandenen formgültigen Vollmacht ist gemäß § 1896 Abs. 2 BGB eine Betreuerbestellung ausgeschlossen.

1896 Abs. 2 BGB: Ein Betreuer darf nur für Aufgabenkreise bestellt werden, in denen die Betreuung erforderlich ist. Die Betreuung ist nicht erforderlich, soweit die Angelegenheit des Volljährigen durch einen Bevollmächtigten, der nicht zu den in § 1897 Abs. 3 bezeichneten Personen gehört, oder durch andere Hilfen, bei denen kein gesetzlicher Vertreter bestellt wird, ebenso gut wie durch einen Betreuer besorgt werden können.

Ein Finanzdienstleister, der so agiert, handelt fehlerhaft, verärgert seine Kunden und setzt langjährige Geschäftsbeziehungen fahrlässig aufs Spiel. Der Bevollmächtigte kann aufgrund der Vollmacht die Gelder zu einem anderen Anbieter transformieren und dort frei im Rahmen der dann neu festgelegten Anlagementalität, Erfahrungen und Anlageziele handeln. Der Verlust der Geschäftsbeziehung zu einem langjährigen Kunden ist vorprogrammiert.

Fazit:

Die Abstimmung der finanziellen mit der rechtlichen Versorge ist unabdingbar. Es reicht nicht aus, Kunden darauf hinzuweisen, Vollmachten zu erteilen, wenn im Vertretungsfall die Bank und der Bevollmächtigte unsicher sind, wie zu handeln ist. Ein idealtypisches Estate Planning hat die Abstimmung der finanziellen mit der rechtlichen Vorsorge zum Ziel. Auf Grundlage der Vorstellungen des Kunden werden auch die Rahmenbedingungen für das Handeln des Bevollmächtigten (Innenverhältnis der Vollmacht) festgelegt. Ein gemeinsames Gespräch mit dem Kunden und den Bevollmächtigten, in welchem die Grundsätze der Vermögensanlage auch für den Vertretungsfall festgelegt werden, ist anzustreben. Sie werden überrascht sein, wie dankbar Ihre Kunden ein solches Vorgehen aufnehmen und welche Geschäftspotenziale sich hieraus ergeben.

Es ist höchste Zeit umzudenken, die Zeichen der Zeit zu erkennen und aktiv zu werden. Gerne stehe ich Ihnen mit Rat und Tat zur Seite

Ihr Heinz Angermair