Der Unternehmerlohn beim vereinfachten Ertragswertverfahren

Bei der Ermittlung des Steuerwerts nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren kann vom Gewinn i.S.d. § 4 Abs. 1 S. 1 EStG bzw. § 4 Abs. 3 EStG u.a. ein angemessener Unternehmerlohn abgezogen werden, soweit in der bisherigen Ergebnisrechnung kein solcher berücksichtigt worden ist. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften ist daher ein Abzug vorzunehmen. Bei Kapitalgesellschaften ist grundsätzlich ein (weiterer) Abzug ausgeschlossen. Sollte allerdings hier das Geschäftsführergehalt zu niedrig und unangemessen sein, ist eine für den Steuerpflichtigen günstige Korrektur (Abzug) möglich.

Nach R B 202 Abs. 3 ErbStR 2011 wird die Höhe des Unternehmerlohns nach der Vergütung bestimmt, die eine nicht beteiligte Geschäftsführung erhalten würde. Dabei sind die Grundsätze zu beachten, die bei der ertragsteuerlichen Behandlung der verdeckten Gewinnausschüttung angewandt werden. Häufig wird der angemessene Unternehmerlohn aus an leitende Angestellte des Unternehmens gezahlten Bruttogehältern abgeleitet werden können. Soweit branchenspezifische Datensammlungen zu Geschäftsführergehältern in einem Fremdvergleich vorliegen, können diese in geeigneter Weise berücksichtigt werden.

Bei Gehaltsstrukturuntersuchungen ist der obere Rand mit ggf. Zu- und Abschlägen zzgl. eines Sicherheitszuschlags von bis zu 20 % als Ausgangswert anzusetzen (vgl. OFD Düsseldorf v. 17.6.2004). Hier kann auf die BBE-Gehaltsstrukturuntersuchung oder zunächst auf die nachfolgende Tabelle in der Verfügung der OFD Karlsruhe v. 3.4.2009 zurückgegriffen werden.

Branchengruppe

Umsatz:

unter 2.500.000 €

Mitarbeiter: unter 20

Umsatz: 2.500.000 € bis 5.000.000 €

Mitarbeiter: 20 bis 50

Umsatz: 5.000.000 € bis 25.000.000 €

Mitarbeiter: 51 bis 100

Umsatz: 25.000.000 € bis 50.000.000 €

Mitarbeiter: 101 bis 500

Industrie/
Produktion

141.000 € –182.000 €

177.000 € –235.000 €

224.000 € –260.000 €

279.000 € –441.000 €

Großhandel

161.000 € –198.000 €

173.000 € –237.000 €

198.000 € –257.000 €

260.000 € –450.000 €

Einzelhandel

123.000 € –152.000 €

131.000 € –176.000 €

176.000 € –213.000 €

212.000 € –439.000 €

Freiberufler

159.000 € –228.000 €

231.000 € –272.000 €

270.000 € –325.000 €

279.000 € –478.000 €

Sonstige Dienstleistung

136.000 € –182.000 €

188.000 € –230.000 €

213.000 € –265.000 €

242.000 € –459.000 €

Handwerk

102.000 € –145.000 €

136.000 € –191.000 €

184.000 € –237.000 €

205.000 € –364.000 €

Dabei ist u.a. auch die Verfügung der OFD Karlsruhe v. 17.4.2001 zu berücksichtigen. Danach kann für Jahre ab 2009 ein Zuschlag von jeweils 3 % p.a. vorgenommen werden. Sofern eine der in den Tabellenspalten aufgeführten Größen Umsatz/Mitarbeiterzahl überschritten wird, ist die Orientierungsgröße aus der nächsten Spalte abzulesen. Bei Unternehmen, deren Größe sich im Grenzbereich von zwei Spalten bewegt, kommt auch ein Mittelwert zwischen diesen Spalten in Betracht. Werden die in der Zusammenstellung ausgewiesenen Werte um mehr als 20 % überschritten, besteht eine Vermutung für das Vorliegen eines krassen Missverhältnisses zwischen den tatsächlich vereinbarten Gesamtbezügen und den Vergütungen vergleichbarer Fremdgeschäftsführer. Bei guter bzw. schlechter Ertragslage sind Zu- bzw. Abschläge auf die ausgewiesenen Werte möglich. Ein Abschlag kann sich auch aus dem Vorhandensein mehrerer Geschäftsführer rechtfertigen (vgl. dazu auch FG des Saarlandes v. 26.1.2011, 1 K 1509/07, Abschlag von 30 %).

Praxishinweis F.I.N.E.S.S.

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Praxistipp:

Die wenigsten Steuerberater haben Beratungsprogramme für Estate Planning und die Bewertung von Unternehmen nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren und der Multiplikatorenmethode. F.I.N.E.S.S. ist ein hervorragendes Mittel zur Stärkung der Zusammenarbeit im Beraternetzwerk.

29.7.2016, Dipl.-Volkswirt Holger Hille