WohlSorge-Beratung 2017

Wissensaktualisierung

Die wirtschaftliche Beratung in den Bereichen Pflege, Alter und Tod erfordert eine ständige Aktualisierung des Fachwissens. Ohne diese ist eine Falschberatung vorprogrammiert. Im Jahr 2017 sind zahlreiche Änderungen zu berücksichtigen. Nachfolgend wird nur übersichtsartig auf wesentliche Änderungen hingewiesen.

Erbschaft- und Schenkungsteuerreform

Bei der Anteils- und Betriebsvermögensbewertung im Wege des vereinfachten Ertragswertverfahrens ist ein neuer Kapitalisierungsfaktor von 13,75 zu beachten. Auf der Privilegierungsebene für Produktivvermögen sind zahlreiche Änderungen zu berücksichtigen, die bereits in diesem Blog dargestellt wurden. Hervorzuheben sind hier insbesondere die Nicht-Begünstigung des Nettoverwaltungsvermögens (nach Abzug des unschädlichen Verwaltungsvermögens in Höhe von 10 %), die 90 %-Grenze sowie die 20 %-Grenze bei der Optionsverschonung und die Besonderheiten bei Großerwerben über 26 Mio. €. Allen im Bereich der Unternehmensnachfolge tätigen Beratern kann daher nur empfohlen werden, eine detaillierte Analyse der Aktiv- und Passivposten bzw. der Konten vorzunehmen. U.a. wird das Nettoverwaltungsvermögen erbschaft- und schenkungsteuerlich wie Privatvermögen behandelt.

Neue Vervielfältiger

Bei der Bewertung einer lebenslänglichen Nutzung oder Leistung sind für Bewertungsstichtage ab 1.1.2017 neue Vervielfältiger anzuwenden.

Einkommensteuertarif und Familienleistungsausgleich

Eine dynamische Liquiditätsplanung ohne Steuern ist nicht möglich. 2017 und 2018 sind geänderte Einkommensteuertarife zu berücksichtigen. Zudem hat sich bei der Option zum Teileinkünfteverfahren gem. § 32d Abs. 2 Nr. 3 Buchst. b EStG eine Änderung ergeben. Kindergeld und Kinderfreibetrag werden 2017 und 2018 erhöht.

Altersvorsorgeaufwendungen

Der Höchstbetrag für den Abzug der Altersvorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben beträgt 23.362 € (Grundtarif) bzw. 46.724 € (Splittingtarif), der maßgebliche Prozentsatz im VZ 2017 beträgt 84 %.

Aktuelle Werte für Sozialabgaben

Die Beitragsbemessungsgrenze bei der gesetzlichen Rentenversicherung wurde erhöht. Sie beträgt 76.200 € (Jahr) (West) bzw. 68.400 € (Jahr) (Ost). Auch in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung wurde die Beitragsbemessungsgrenze erhöht. Sie beträgt 52.200 € (Jahr). Der Beitragssatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung steigt durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz auf 2,55 % bzw. 2,80 % für Kinderlose.

Zweites und Drittes Pflegestärkungsgesetz

Ab 1.1.2017 ist ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein Neues Begutachtungsassessment (NBA) als Begutachtungsinstrument zu berücksichtigen. Pflegebedürftige erhalten nach der Schwere der Beeinträchtigungen einen Grad der Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad). Auf der Basis eines Punktesystems wird der Pflegegrad ermittelt, der von 1 bis 5 reicht. Die Leistungsbeträge ändern sich. Bei vollstationärer Dauerpflege wird ab 1.1.2017 ein sog. einrichtungseinheitlicher Eigenanteil für die Pflegegrade 2-5 (nicht Pflegegrad 1) ausgewiesen. Jede Pflegeeinrichtung bzw. jedes Pflegeheim hat danach einen Eigenanteil zu ermitteln, der bei jedem Pflegegrad gleich hoch sein muss. Durch das Dritte Pflegestärkungsgesetz soll die Pflegeberatung gestärkt und die Zusammenarbeit der Verantwortlichen in den Kommunen ausgebaut werden.

Flexirentengesetz

Die Änderungen durch das Flexirentengesetz wurden bereits in diesem Blog dargestellt.

Verlustverrechnung und § 50i EStG

Durch das Gesetz zur Weiterentwicklung der steuerlichen Verlustverrechnung bei Körperschaften können unter bestimmten Voraussetzungen nicht genutzte Verluste trotz eines qualifizierten Anteilseignerwechsels weiterhin genutzt werden. Dazu wurde ein neuer § 8d KStG eingefügt. Außerdem wurde mit dem Gesetz zur Umsetzung der Änderungen der EU-Amtshilferichtlinie und von weiteren Maßnahmen gegen Gewinnkürzungen und -verlagerungen eine Bereinigung der überschießenden Wirkungen in § 50i EStG vorgenommen. Dabei ist § 50i Abs. 2 EStG (n.F.) erstmals für Einbringungen anzuwenden, bei denen der Einbringungsvertrag nach dem 31.12.2013 geschlossen worden ist.

Ausblick

Im Gesetzgebungsverfahren befinden sich noch das Betriebsrentenstärkungsgesetz und das Steuerumgehungsbekämpfungs-gesetz. Darüber werden wir demnächst informieren.

3.1.2017, Dipl.-Volkswirt Holger Hille