Nießbrauch in der Vermögensnachfolge

Nießbrauch: die „Eierlegende Wollmilchsau“ in der Vermögensnachfolge?

Oder: Warum ich ein bekennender Nießbrauchsgegner bin!

Ein Blick in die Vergangenheit:

Der Nießbrauch ist ein uraltes Gestaltungsinstrument. Der Begriff Nießbrauch (Lehnübersetzung des lateinischen ūsus frūctus – Früchtegenuss) taucht erstmals im Jahr 1496 im Berner Ratsmanual auf.

Das Grundmotiv des Nießbrauchs ist von jeher die Versorgung des Berechtigten. Dies hatte in einer Zeit ohne ein vernünftiges und funktionierendes Altersvorsorgesystem sicherlich auch seine Berechtigung. Hinzu kommt, dass das Nießbrauchsrecht in den meisten Fällen zeitlich über einen überschaubaren zeitlichen Rahmen Bestand hatte (geringere Lebenserwartungen als heute).

Wie sieht es heute aus:

Die Übertragung gegen Nießbrauch ist auch heute noch ein beliebtes Gestaltungsinstrument im Rahmen der Vermögensnachfolge. Dabei steht heute in vielen Fällen das Versorgungsmotiv nicht mehr im Vordergrund. Häufig geht es um steuerliche Aspekte und den Zurückbehaltungsanspruch. Dr. Sebastian Spiegelberger (ehem. Notar in Rosenheim) hat das Motiv seiner Kunden anhand einer Mandantenaussage treffend wie folgt beschrieben.

„Herr Doktor es muas was geschehgn aber es derf nix passiern“
(„Es muss was geschehen, aber es darf nichts passieren“)

Aspekte der Nießbrauchgestaltung:

Bei der Übertragung gegen Nießbrauch sind folgende Aspekte zu berücksichtigen und in die Überlegungen mit einzubeziehen.

  • Menschlich–emotionale Aspekte der Beteiligten
  • wirtschaftliche und finanzielle Aspekte
  • rechtliche Aspekte
  • steuerliche Aspekte

Fallbeispiel:

Am nachfolgenden Beispiel (realer Fall aus der Beratungspraxis) möchte ich die oben aufgeführten Aspekte näher durchleuchten:

Max Blaubart (65 Jahre), verheiratet im gesetzlichen Güterstand mit Maria Blaubart (61 Jahre), zwei erwachsene Kinder, Eva (31 Jahre) und Martin (34 Jahre).

Max Blaubart ist Eigentümer eines Mehrfamilienhauses (12 Wohneinheiten) in Freising. Das Objekt hat Max Blaubart im Jahr 2002 aus dem Erbe seines Vaters erhalten. Die Nettomieteinnahmen belaufen sich auf T€ 120 p.a.  Der Verkehrswert des Objektes beläuft sich nach Markteinschätzungen auf 2,7 Mio. €. Die Verwaltung des Objektes tätigt Herrn Max Blaubart selbst.

Max Blaubart überlegt sich aus erbschaftsteuerlichen Gründen das Mehrfamilienhaus bereits zu Lebzeiten an seine beiden Kinder, Eva und Martin zu übertragen. Da er auch weiterhin das Sagen in Bezug auf die Immobilie haben möchte, soll die Übertragung gegen Einräumung eines Vorbehaltsnießbrauchs erfolgen. Ferner möchte er auch nicht vollständig auf die Mieteinnahmen verzichten.
  1. Menschlich-emotionale Aspekte:

    1. Wie sieht das Verhältnis der Kinder untereinander aus?
    2. Wie stehen die Kinder zu dem geplanten Übertragungsobjekt (würden sie es bei freier Entscheidung behalten oder Verkaufen)?
    3. Sind die Kinder bereit und in der Lage, das Objekt selbst zu bewirtschaften?
    4. Wie steht Maria Blaubart zu dem Objekt und zu dem Vorhaben?
    5. Wer kümmert sich um das Objekt, wenn Max Blaubart aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht mehr in der Lage ist=
    6. Ist das Objekt heute schon eine Belastung für die Eheleute Max und Maria Blaubart?
    7. Möchte Herr Blaubart, so lange er lebt, die Möglichkeit haben, das Objekt zu veräußern?
    8. Ist man sich bewusst, dass es nicht unrealistisch ist, dass die Kinder erst wenn sie selbst schon das 60. Lebensjahr erreicht haben, über die Immobilie verfügen können?
  2. Wirtschaftliche und finanzielle Aspekte

    1. in welchem Zustand befindet sich das Objekt (anstehende Renovierungs- Modernisierungsarbeiten, Renovierungsstau, usw.)?
    2. Sind noch Finanzierungen vorhanden?
    3. Ist in absehbarer Zeit ein Finanzierungsbedarf vorhanden?
    4. Wie ist die Zukunftsprognose für das Objekt?
    5. Wie hoch ist die Steuerbelastung aus der geplanten Übertragung und können bzw. wollen die Kinder die anfallende Steuer bezahlen?
    6. In welchem Umfang ist die Altersversorgung der Eheleute Max und Maria Blaubart von den Mieteinnahmen abhängig
    7. Ist die Versorgung von Maria nach Übertragung gegen Nießbrauch auch beim Erstversterben von Max gesichert?

      .
  3. Rechtliche Aspekte

    1. Wie wird die Lastenverteilung geregelt?
    2. In welchem Umfang soll die Übertragung gegen Nießbrauch auf spätere erbrechtliche Ansprüche angerechnet werden?
    3. Wie wird sichergestellt, dass es im Falle der Handlungsunfähigkeit eines der Beteiligten zu keinen „Störungen“ kommt? Erforderlich ist die Abstimmung mit den vorhandenen bzw. noch zu erstellenden Vollmachtregelungen der Beteiligten und Berücksichtigung im Innenverhältnis.
    4. Wie wird die Versorgung von Maria Blaubart, die nicht Eigentümerin des Grundstücks ist, sichergestellt?

  4. steuerliche Aspekte

    1. Wie hoch ist der Steuerwert des Mehrfamilienhauses?
    2. Wich hoch ist der Steuerwert des Nießbrauchsrechts?
    3. Welche Erbschaftsteuerliche Belastung ergibt sich hieraus?
    4. Steuerliche Auswirkungen der Übertragung?
      1. Auf den Übergeber
      2. Auf die Übernehmer
      3. Entsteht eine Steuer, wenn der Nießbrauch auf den Ehegatten erweitert wird?
        ..
        Anmerkung:
        Bei dem dargestellten Fall und dem Mehrfamilienhaus handelt es sich um einen realen Fall. Nachfolgend die steuerlichen Ergebnisse:
        ….
        Steuerwert der Immobilien:
        Der Steuerwert des Objektes (Ertragswertverfahren §§ 184 – 189 BewG) beträgt:
        vor Privilegierung:    € 1.696.344nach Privilegierung:  € 1.526.709Wir erinnern uns, der Verkehrswert beträgt 2,7 Mio. Derart hohe Abweichungen Verkehrswert zu Steuerwert sind aktuell aufgrund der hohen Immobilienpreise im Ballungsgebieten nicht die Ausnahme sondern vielmehr die Regel


        Steuerwert des Nießbrauchsrechts – Schenkungsteuer:
        Der Steuerwert des Nießbrauchsrechts beträgt € 1.043.704 (939.337 sind aufgrund der Privilegierung steuerlich abzugsfähig). Aufgrund der Beschränkung des Jahreswertes und dem Zinssatz von 5,5% der für die Abzinsung angewandt wird, ist der Steuerwert unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten deutlich zu gering.

        Die Steuerbelastung je Kind beträgt unter der Voraussetzung, dass die Freibeträge nicht ausgenutzt sind, € 5.071- (zusammen somit € 10.142,-)

        Vermeintlicher steuerlicher Vorteil:
        Eine Übertragung ohne Gegenleistung, z.B. im Rahmen eines Erbfalls an die beiden Kinder, würde eine Erbschaftsteuerbelastung von je € 54.503 (€ 109.006) nach sich ziehen. Rechnerisch gesehen ergibt sich hieraus ein Steuervorteil von € 98.864. Eine stolze Steuerersparnis. Zu berücksichtigen sind die Kosten für die Übertragung (Notar und Grundbuch) in unserem Fall liegen die Kosten bei ca. 14.000 €.Aber womit erkaufe ich mir diesen Steuervorteil von bereinigt ca. 85.000 €, was ist also die Kehrseite der Medaille?

  5. Die Kontras des Nießbrauchs:

    1. Max Blaubart kann nicht mehr frei über das Mehrfamilienhaus verfügen. Eigentümer sind seine beiden Kinder zu gleichen Teilen. Also ist ein Verkauf durch Max, wenn z.B. die Einnahmen nicht ausreichen sollten, nicht mehr möglich.
    2. Die gesetzliche Lastenverteilung führt bei den Kindern in Bezug auf anstehende außergewöhnliche Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten zu einem Werbungskostenleerlauf.
    3. Bei Nettonießbrauch, d.h. der Nießbraucher übernimmt auch die außergewöhnlichen Erhaltungsaufwendungen, können diese bei Durchführung eine aufschiebend bedingte Zuwendung (Schenkung) darstellen. Dies könnte eine weitere Steuerbelastung nach sich ziehen.
    4. Eine Fremdfinanzierung von Modernisierungsmaßnahmen ist nur möglich, wenn seitens des Nießbrauchsberechtigten ein Rangrücktritt erfolgt.
    5. Generell wird unter Berücksichtigung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie die Finanzierung von Objekten mit Nießbrauchsvorbehalt sowohl für den Nießbrauchsberechtigten wie auch für den Eigentümer problematisch sein.
    6. Die Beteiligten werden im Regelfall über Jahrzehnte förmlich aneinander gekettet. Gemäß den aktuellen Sterbetafeln beträgt die „Restlebenserwartung“ eines 65-jährigen Mannes 18, die einer 61-jährigen Frau fast 25 Jahre.
    7. Die Eigentümer lernen nicht frühzeitig, Verantwortung für den übertragenen Grundbesitz zu übernehmen.
    8. Betrachtet man sich Objekte, die in der Vergangenheit gegen Nießbrauch übertragen wurden, stellt man häufig einen erheblichen Renovierungsstau fest. Die Gründe hierfür:
      1. Der Eigentümer hat kein Interesse, da er keine Einnahmen hat und die Aufwendungen steuerlich nicht absetzen kann.
      2. Dem Nießbraucher reichen die Erträge so, wie sie sind, bzw. er ist nicht bereit und gewillt zu investieren.
    9. Ist die Altersversorgung des Übergebers auch ohne Nießbrauch sichergestellt, wird mit den Mieteneinnahmen zusätzliches Vermögen aufgebaut, was im Ergebnis im Erbfall die vermeintliche Erbschaftsteuerersparnis konterkariert.
    10. Wird der Nießbraucher handlungsunfähig und sind keine oder ungenügende Vertretungsregelungen vorhanden, kann dies zu unerwünschten Konsequenzen (Wahrnehmung der Rechte durch einen Betreuer, usw.) führen. Gleiches gilt für eine später eintretende Sozialhilfebedürftigkeit des Nießbrauchers (Überleitung von Rechten).
    11. Wird im Rahmen der Übertragung gegen Vorbehaltsnießbrauch keine eindeutige Wertfeststellung und Anrechnungsbestimmung getroffen und diese mit den erbrechtlichen Regelungen abgestimmt, kann dies im Erbfall erhebliche Probleme nach sich ziehen.

Wie soll also mit dem Wunsch nach einer Übertragung gegen Nießbrauch umgegangen werden?

Die Übertragung gegen Vorbehaltsnießbrauch bedarf einer intensiven Beschäftigung mit den o.g. Aspekten (Anamnese).

Die menschlichen und emotionalen Aspekte sollten auch mit den Beschenkten erläutert werden.

Die finanziellen und wirtschaftlichen Aspekte sind in einer objektspezifischen Betrachtung in Bezug auf das Übertragungsobjekt zu beurteilen.

Im Rahmen einer Finanz- und Vermögensnachfolgeplanung ist der Versorgungsstatus in den jeweiligen Lebensphasen und für die Hinterbliebenenversorgung zu ermitteln (Diagnose).

Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse und Informationen können die darauf aufbauenden Entscheidungen getroffen werden (Therapie).

Alternative Gestaltungsmöglichkeiten:

Neben der Übertragung gegen Vorbehaltsnießbrauch sollten auch andere Gestaltungsalternativen geprüft werden. Dies könnten z.B. sein:

  • Übertragung gegen Rentenzahlung
  • Übertragung gegen Abstandszahlung
  • Gründung und Einbringung in eine Familiengesellschaft und anschließende Anteilsübertragung
  • Verkauf der Immobilie und Teilübertragung des Verkaufserlöses (ggf. erst übertragen und dann gemeinschaftlich verkaufen)
  • Nichts tun – und alles beim Altern belassen.

Wurde wie oben beschrieben vorgegangen, hat der Klient auch den erforderlichen Kenntnisstand, um eine Entscheidung in Bezug auf die vorgeschlagenen alternativen Gestaltungsmöglichkeiten treffen zu können.

Zusammenfassung:

Leider ist es bedauerlicher Weise der Regelfall, das Klienten von ihren Beratern zu Rechtsanwälten, Notaren und Steuerberatern verwiesen werden bevor die Rahmenbedingungen erarbeitet und die Möglichkeiten der finanziellen und wirtschaftlichen Vorsorge geregelt und ausgeschöpft sind.

In den meisten Fällen, in denen ich im Rahmen der Vermögensnachfolgeplanung mit bereits vollzogenen Übertragungen gegen Nießbrauch konfrontiert wurde, musste ich feststellen, dass die Nießbraucher (als früherer Eigentümer und Schenker) sich der Tragweite der Übertragung nicht bewusst waren. Überwiegend lag ein steuerliches Motiv für die Übertragung vor. Nicht selten bekomme ich zu hören:  „wenn ich das gewusst hätte, hätte ich keinesfalls übertragen“.

In den Fällen, in denen ich aktiv in die Vermögensnachfolgeplanung eingebunden bin und auf der Grundlage der Beratung Vorschläge für Gestaltungen ausarbeite, erfahre ich höchste Dankbarkeit für die Darstellung von Handlungsalternativen und der Gegenüberstellung dieser.

Entscheidungsrelevant sind überwiegend die menschlichen, emotionalen und finanziellen Aspekte.

Es gilt auch hier unser Leitsatz:

Die finanzielle Vorsorge ist die Grundlage der rechtlichen und steuerlichen Gestaltungen. Nur über das, was vorhanden ist, können auch Regelungen erstellt werden.

Nutzen Sie die Möglichkeiten und Chancen, die in einer an den Vorstellungen des Kunden orientierten, finanziell und rechtlich abgestimmten Vorsorge für den Erlebens- und Todesfall liegen. Ihr Kunden werden es Ihnen danken und der finanzielle Erfolg ist Ihnen sicher.

Um Beratungen auf dem dargestellten Niveau effizient durchführen zu können, sind neben dem erforderlichen Fachwissen auch die dafür richtige Methodik und professionelle Beratungsinstrumente erforderlich. Das GeNe Estate Planner Studium und das Beratungssystem F.I.N.E.S.S. beinhaltet alles, was Sie für eine erfolgreiche Beratung benötigen.

Haben Sie Interesse an einem Workshop:

Vermögensnachfolge effizient, kundenorientiert und ertragreich gestalten?

Dann schenken Sie mir ein paar Minuten Ihrer Zeit und nehmen an der Umfrage teil.

Herzlichen Dank

Ihr Heinz Angermair

 

Pflegestärkungsgesetz

Pflegestärkungsgesetz:

Zum 01.01.2017 wird die Systematik in der Pflegeversicherung auf einen Schlag umgestellt. Die bisherige Einstufung in Pflegestufen wurde letztendlich an körperlichen Gebrechen festgemacht. Die Unterstützung für hilfsbedürftige mit geistigen Problemen wie Demenz war unzureichend.

Die Kernpunkte im Überblick:

Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade:

Im aktuellen System gibt es drei Pflegestufen. Maßstab für die Einstufung in eine Pflegestufe ist ein in Minuten gemessener Hilfebedarf. Hierbei erfolgt die Orientierung alleine an körperlichen Einschränkungen.

Ab 01.01.2017 wird es fünf Pflegegrade geben. Es ist unerheblich, ob die Selbständigkeit aufgrund von körperlichen oder psychischen Einschränkungen beeinträchtigt ist. Entscheidend ist, ob die Person die jeweiligen Tätigkeiten durchführen kann oder nicht. Der Pflegegrad wird in einem neuen Begutachtungsverfahren ermittelt, welches auch die kognitiven Fähigkeiten, Verhaltensweisen und die Möglichkeiten zur Gestaltung des Alltags in den Blick nimmt.

In die Beurteilung fließt auch mit ein, ob sich der Betroffene räumlich und zeitlich orientieren kann und Risiken und Gefahren erkennt.

Der Pflegegrad wird durch ein Punktesystem festgelegt. Je höher der Grad, desto umfangreicher die Leistungen.

Pflegegrad I Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad II Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad III Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad IV Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad V Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Automatische Überführung ins neue System:

Die aktuell ca. drei Millionen Versicherten, die bereits Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, werden automatisch in das neue System überführt. Durch die Umstellung soll keinem Pflegebedürftigen ein Nachteil entstehen.

Pflegebedürftige mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen erhalten anstelle der bisherige Pflegestufe den nächsthöheren Pflegegrad.

Pflegebedürfte mit Demenz werden stets zwei Pflegegrade höher eingestuft.

Die Leistungen in Euro pro Monat:

Pflegegrad

Geldleistung

ambulant

Sachleistung

ambulant

Entlastungsbetrag
ambulant (zweckgebunden)

Leistungsbetrag
vollstationär

I    

125

125

II

316

689

125

770

III

545

1298

125

1262

IV

728

1612

125

1775

V

901

1995

125

2005

Die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung werden vor allem für Pflegebedürftige mit kognitiven Einschränkungen eine Verbesserung bringen. Bedürftige mit schweren körperlichen Einschränkungen werden nach dem neuen System nach Einschätzung von Experten eher schlechter gestellt werden. Bei vorhandenen körperlichen Einschränkungen wird aktuell die Empfehlung ausgesprochen, den Antrag auf Einstufung in eine Pflegestufe noch in 2016 zu stellen, dann gelte noch altes Recht.

Interessant wird noch sein, wie sich die Pflegekosten entwickeln. Erst, wenn dies absehbar ist, wird sich die finanzielle Konsequenz beurteilen lassen. Der Vorstand des Kassen-Spitzenverbandes Gernot Kiefer geht davon aus, dass durch die Umstellung in 2017 200.000 Menschen zusätzlich Anspruch aus Leistungen aus der Pflegeversicherung haben werden. Wie die Personalbeschaffung erfolgen soll, ist aufgrund des herrschenden Personalmangels in den Pflegeberufen unklar.

Exkurs – Private Pflegezusatzversicherungen:

Von den Anbietern von Privaten Pflegezusatzversicherungen haben sich bisher die wenigsten Anbieter schon konkret festgelegt, wie die bestehenden Verträge in Bezug auf die Einstufung angepasst werden.

Pflegeaspekt in der WohlSorge Beratung:

In der WohlSorge Beratung werden die Themen Alter und Pflege und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Liquidität beleuchtet. Die Veränderungen in der gesetzlichen Pflegeversicherung fließen hier mit ein. Neben den finanziellen Aspekten der Pflege, sollte im Rahmen von Vorsorgevollmachten im Innenverhältnis auch geklärt werden, wie Pflege erfolgen soll und was diese kosten darf. Hier wird konkret, was eine an den Vorstellungen des Kunden, finanziell und rechtlich abgestimmte Vorsorge (WohlSorge) ist.

Praxishinweis:

In unserer Beratungssoftware F.I.N.E.S.S. werden wir mit dem nächsten Release die sich zum 01.01.2017 ergebenden Änderungen bereits berücksichtigt haben. Somit können Sie Ihre Kunden topaktuell beraten.

Weitere Informationen zum Pflegestärkungsgesetz erhalten Sie auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums

Ruhestandsplanung

 

Ruhestandsplanung – ein neues Geschäftsfeld?

Die Zielgruppe 50plus oder wie man diese auch immer beschreiben möchte, ist seit Jahren im Fokus der Finanzdienstleistungsbranche. Seit einiger Zeit sind verstärkte Aktivitäten im Bereich der Ruhestandsplanung zu verzeichnen. Einige Ausbildungsinstitute haben eigene Qualifizierungsprogramme für Ruhestandsplaner aufgelegt.

Was unterscheidet Ruhestandsplanung von der klassischen Vorsorgeberatung?

Die Ruhestandsplanung richtet sich an die Alterszielgruppe, die sich im Übergang vom aktiven Berufsleben in den Ruhestand befindet, also an die Zielgruppe 50plus. So auch der Titel eines bei SpringerGabler erschienenen Buches „Ruhestandsplanung – neuer Beratungsansatz für die Zielgruppe 50plus“.

Ruhestandsplanung geht dabei bewusst auf die langfristige Einkommenssicherung durch strukturierten Vermögensverzehr ein. Somit knüpft letztendlich die Ruhestandsplanung an die Vorsorgeberatung an bzw. justiert diese nach. Das im Rahmen der Vorsorge aufgebaute Versorgungskapital wird für die Ruhestandsphase so strukturiert, dass laufend ausreichend Liquidität vorhanden ist.

Geht Ruhestandsplanung ohne Berücksichtigung des Nachfolgeaspektes?

Praxisbeispiel:

Nachfolgend das Praxisbeispiel aus dem Buch „Ruhestandsplanung – neuer Beratungsansatz für die Zielgruppe 50plus – erschienen bei SpringerGabler.

Die Kunden, in diesem Fall das Ehepaar Maier. Frau Maier ist 55 Jahre alt und in Teilzeit als Rechtsanwältin tätig. Herr Maier ist 62 Jahre alt und steht kurz vor dem Ruhestand. Das Ehepaar hat zwei Kinder, welche beide studieren. Im ersten Schritt ermittelt der Berater die Ziele und Wünsche der Kunden hinsichtlich Kernthemen der finanziellen Ruhestandsplanung.

Das Thema Vererben hat die Familie Maier noch nicht eindeutig für sich geklärt. Es ist noch nicht entschieden, welcher Teil des Vermögens wann vererbt werden soll. Fest steht hingegen, dass die Lebensqualität im Alter nicht durch das Vererben/Verschenken von Vermögensteilen sinken soll.

 Frage:

Handle ich als Berater verantwortungslos, wenn ich bei den geschilderten Gegebenheiten:

„Die Lebensqualität soll durch Vererben/Verschenken von Vermögensteilen nicht sinken“

den Aspekt Vermögensnachfolge nicht berücksichtige?


Antwort:

Ganz egal, was bisher geregelt ist, der Erbfall eines Ehepartners wird massive Auswirkung auf die Vermögens- und Liquiditätssituation des Überlebenden haben. Eine gute Vorsorgeberatung und Ruhestandsplanung muss die finanziellen Auswirkungen der Vermögensnachfolge berücksichtigen.

Die wesentlichen finanziellen Auswirkungen des Erbfalls:

– Vermögensabfluss an Miterben
Liquiditätsbelastungen aus Erbfall (Pflichtteile, Erbschaftsteuer,..)
– Reduzierung der Einnahmen
– Wegfall von Erwerbseinkommen
– Wegfall von Vermögenseinkommen durch Erbfall
– Kürzung der Hinterbliebenenrente
– Verlust der Kreditwürdigkeit

Fazit:

Es ist begrüßenswert, dass die Zielgruppe 50+ in den Fokus der Beratung rückt. Aber braucht diese Zielgruppe nicht eine umfassende Beratung, die alle Aspekte der Gestaltung der letzten Lebensabschnitte, aufeinander abgestimmt, berücksichtigt – genau das kann WohlSorge Beratung. leisten.

Zielsetzung der WohlSorge Beratung:

Ziel der WohlSorge Beratung ist eine finanziell und rechtlich abgestimmte Vorsorge für den Erlebens- und Todesfall auf der Grundlage der Kunden/Mandantenvorstellungen.

Die Erarbeitung der Grundlagen der Beratung und das Analyseergebnis der Ist-Situation sind die Basis für rechtliche und steuerliche Gestaltungen, welche durch Notare, Rechtsanwälte und Steuerberater umgesetzt werden.

Inhalte der WohlSorge Beratung (Grundpaket):

  • Erarbeitungen der Grundlagen für die Beratung:
    • Vorstellungen des Kunden
    • Finanzielle Rahmenbedingungen (Vermögen und Liquidität)
    • Bisherige Regelungen
  • Analyse der aktuellen Situation (Status Quo):
    • Erstellung eines Versorgungsstatus Leben
      • Status Quo
      • Rentenphase
      • Pflegefall
    • Erstellung eines Versorgungsstatus Todesfall:
      • Finanzielle Auswirkungen (Liquiditätsbelastungen) des Erbfalls auf der Basis vorhandener Regelungen
      • Finanzielle Auswirkungen des Erbfalls auf die Hinterbliebenenabsicherung
  • Abgleich mit Vorstellungen des Kunden und Besprechung möglicher Handlungsalternativen

WohlSorge schafft Transparenz

Schwieriges Erbe – Die große Unbekannte!

so der Titel eines Artikels vom 18.08. in der Süddeutschen Zeitung,

Der Artikel beschreibt, dass viele Witwen sich zu Lebzeiten ihres Mannes nie mit größeren Geldbeträgen befasst haben. Die Ehemänner haben die Geldanlagen und Finanzgeschäfte alleine erledigt.

Vor allem Frauen über 70 überblicken die eigene finanzielle Situation oftmals eher schlecht.

Estate Planning – Generationenberatung kann helfen:

Die Zielsetzung der WohlSorge Beratung (Estate Planning / Generationenberatung) besteht vor allem auch darin, eine altersgerechte und übergabefähige Vermögensstruktur und Transparenz für die Hinterbliebenen zu schaffen.

Die Zielgruppen:

Im Blogbeitrag „Zielgruppe 55 plus und wofür steht das „plus“? wurde bereits die Unterteilung der Zielgruppen für Estate Planning / Generationenberatung thematisiert.

Estate Planner/Generationenberater berichten häufig darüber, dass Sie mit Kunden älter 75 Jahre zu tun haben, die Geschäftspotenziale in dieser Altersgruppe beschränkt sind und somit der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt.

WohlSorge schafft Transparenz

Der Lösungsansatz:

Spreche ich bei einer WohlSorge-Beratung über das Innenverhältnis der Vollmacht und die Vermögenssorge, höre ich in vielen Fällen von den Ehepartnern (meist die Ehefrauen) da kenne ich mich nicht damit aus, wenn mein Partner (meist Mann) nicht mehr kann, dann will und kann ich das nicht mehr in der Form. Eine Steilvorlage für den Berater.

Der Ansatzpunkt: Transparenz schaffen, alters- und übergabefähige Vermögensstrukturen schaffen, den Partner peu à peu einbinden und mitnehmen.

Dies bedingt, dem Mandanten die Versorgungssituation für:

  • die Rentenphase,
  • den Pflegefall
  • die Hinterbliebenenabsicherung unter Berücksichtigung der finanziellen Auswirkungen des Erbfalls

aufzuzeigen.

Somit steht auch für jede der Phasen die Vermögensstruktur und der Liquiditätsstatus zur Verfügung… die Grundlage, um sachgerechte Entscheidungen zu treffen.

Stehen altersbedingt bestimmte Vorsorgeprodukte nicht mehr zur Verfügung, sind etwaige Versorgungslücken durch das eigene Vermögen und Vermögensverzehr zu decken. Trifft der Mandant die Entscheidung nicht selbst, muss sichergestellt werden, dass etwaige Vertreter (Bevollmächtigte, Betreuer) im Rahmen eines detaillierten Innenverhältnisses sachgerechte Entscheidungen im Sinne des Vollmachtgebers treffen.

Fazit:
WohlSorge Beratung schafft „Transparentes Erbe“ und das gute Gefühl an alles gedacht zu haben.

Das Internet als Wissensdatenbank für Estate Planner?

Richtige fachliche Auskünfte sind wertvoll, doch wer ist bereit dafür Geld auszugeben? Nach erfolgreicher Weiterbildung im Bereich von Estate Planning wird versucht, Fragen über das Internet beantwortet zu bekommen. Doch wer hat hier die Qualitätskontrolle übernommen? Selbst vermeintliche Fachseiten und PDF-Dateien enthalten z.T. haarsträubende Aussagen, wie die nachfolgenden Beispiele aufzeigen:

Beispiel 1:

„Vater A schenkt seinem Sohn B vor seinem Tod 400.000 €. Sofern A nach 5 Jahren verstirbt, gilt ein Abschmelzmodell mit der Folge, dass B bei einer Erbschaft in Form von Bar- oder Wertpapiervermögen in Höhe von 200.000 € keine Erbschaftsteuer bezahlen muss.“

Die Richtige Lösung:

Hier wurde mal wieder Zivilrecht und Steuerrecht miteinander verwechselt. Gem. § 14 ErbStG werden alle Erwerbe innerhalb der letzten 10 Jahre zusammengerechnet. Der persönliche Freibetrag des Sohnes ist verbraucht, so dass auf den Erwerb von Todes wegen Erbschaftsteuer anfällt.

Beispiel 2:

„Vater A schenkt sein Einzelunternehmen mit negativem Kapitalkonto seinem Sohn B. Es handelt sich um einen entgeltlichen Vorgang. Der Vorgang ist nicht nach § 6 Abs. 3 EStG durchzuführen. Der Vater A erzielt einen Veräußerungsgewinn.“

Die Richtige Lösung:

Der Schock im Seniorenheim bleibt grundsätzlich aus. Eine unentgeltliche Übertragung i.S.d. § 6 Abs. 3 EStG kann und wird i.d.R. auch bei der Übernahme eines negativen Kapitalkontos durch Angehörige vorliegen (wenn entsprechende stille Reserven oder Gewinnchancen vorhanden sind, vgl. BFH v. 10.3.1998, VIII R 76/96). Sofern die Übertragung aber – anders als hier – teilentgeltlich ist, erhöht sich durch die Übernahme des negativen Kapitalkontos der Veräußerungsgewinn.

Zusammenfassung:

Die richtigen Lösungen sind wichtig für die statische (Beispiel 1) und dynamische (Beispiel 2) Liquiditätsplanung. Für die statische und dynamische Liquiditätsplanung ist eine professionelle Beratungssoftware erforderlich – unser F.I.N.E.S.S!

Fundiertes Fachwissen passiv im Netzwerk eingesetzt und transformiert in wirtschaftliche Auswirkungen ist der Schlüssel zum Erfolg.

Das Gene Institut steht Ihnen auf Honorarbasis gerne für die Beantwortung von allgemeinen fachlichen Fragen zur Verfügung.

8.8.2016, Dipl.-Volkswirt Holger Hille

Wohnimmobilienkreditrichtlinie und Estate Planning

Gesetz lässt Vergabe von Baukrediten einbrechen – so im Artikel der FAZ vom 27.07.2016! Insbesondere Sparkassen leiden unter der neuen Richtlinie.

Doch was hat die Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) mit Estate Planning und Generationenberatung zu tun?

Der „typische“ Kunde für Estate Planning und Generationenberatung gehört der Altersgruppe 55+ an und verfügt über nicht unerhebliches Immobilienvermögen. Darlehen stehen zur Prolongation an, umfangreichere Renovierungsarbeiten bei vermieteten Immobilien sind zu finanzieren. Das nicht altersgerechte Familienwohnheim soll alten- und pflegegerecht umgebaut werden.

Die WIKR fordert, dass die Rückzahlungsfähigkeit des Kunden über die gesamte Laufzeit des Darlehens sichergestellt ist. Für die Zeit nach der Zinsbindung wird von vielen Instituten aktuell mit einem Kapitaldienst von 6% kalkulatorisch weiter gerechnet.

Doch was, wenn der Kunde während der Laufzeit des Darlehens in Rente geht und rechnerisch die Liquidität zur Rückzahlung nicht mehr ausreicht? Oder der Hauptversorger verstirbt und der/die Hinterbliebene im Rahmen der Erbschaft das Objekt übernehmen möchte.

Das als Altersvorsorge aufgebaute Immobilienvermögen zu erhalten kann zu einem ernsthaften Problem werden. Wer nicht weitsichtig und frühzeitig handelt droht im Ernstfall der Zwangsverkauf.

Estate Planning – Generationenberatung und WIKR:

„Vom Neinsager, Bedenkenträger und Geschäftsverhinderer zum WohlSorger©“.

Altersgerechte und übergabefähige Vermögensstrukturen und die Lebensphasenliquidität für die Status Rente – Pflege und Hinterbliebenenversorgung unter Berücksichtigung der finanziellen Auswirkungen des Erbfalls sind elementare Bestandteile des Estate Plannings.

 

 

 

 

 

 

Der Kunde erhält einen Überblick über die Liquiditätssituation im Alter, im Pflegefall und nach dem Erbfall. Der Kunde wird für sich und seine Angehörigen verantwortungsvolle sachgerechte Entscheidungen treffen.

Es ist ein erheblicher Qualitäts- und Wahrnehmungsunterschied, ob man einen Kunden eine Finanzierungsanfrage ablehnt oder im Vorfeld mit den Kunden im Rahmen eines Estate Plannings die Lebensphase 55+ finanziell begleitet und somit die Grundlagen für eine altersgerechte und übergabefähige Vermögens- und Liquiditätsstruktur schafft.

Agieren statt reagieren:

Nutzen Sie die „Gunst der Stunde“ – Das Gros Ihrer Kunden ist 55+ und wartet sehnsüchtig auf eine umfassende Beratung in den Themenfeldern Vorsorge- und Vermögensnachfolge. Mit dem GeNe Methodensystem (Beratungssoftware F.I.N.E.S.S. inkl. Beratungsvertrag – Beratungskarten – Beratungsbogen) stehen Ihnen alle erforderlichen Tools für ein erfolgreiches und kundenorientiertes Estate Planning / Generationenberatung zur Verfügung.

Regulatorischen Maßnahmen und die Niedrigzinsphase können wir leider nicht wegzaubern – aber wir können das Beste daraus machen.