Finanz- und Liquiditätsplanung bei Anteilen an Kapitalgesellschaften

Die Erbschaftsteuerreform steht vor der Tür. Die bisherigen Behaltensregelungen und -fristen für Produktivvermögen bleiben wohl grundsätzlich bestehen. Die Entnahmebegrenzung, wonach ein Einzelunternehmer oder Gesellschafter einer Personengesellschaft nicht mehr entnehmen darf als die Summe seiner Einlagen und der ihm zuzurechnenden Gewinne oder Gewinnanteile zzgl. 150.000 € (vgl. § 13a Abs. 5 Nr. 3 S. 1 u. 2 ErbStG) ist in Beraterkreisen bekannt und muss im Rahmen des Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer-Controllings berücksichtigt werden. Die Prüfung erfolgt zwar erst am Ende des letzten in die Fünf- bzw. Siebenjahresfrist fallenden Wirtschaftsjahres, jedoch sind bereits nach dem Zeitpunkt der Steuerentstehung regelmäßige Prüfungen sinnvoll, um ggf. mit Einlagen (vgl. R E 13a.8 Abs. 4 ErbStR 2011) einen Verstoß zu verhindern.

Entnahmegrenzen bei Ausschüttung beachten

Bei Ausschüttungen an Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft sind die Regelungen zur Entnahmebegrenzung bei Personenunternehmen sinngemäß anzuwenden (vgl. § 13a Abs. 5 S. 1 Nr. 3 S. 3 ErbStG). Ohne Verstoß können daher in der Behaltenszeit erzielte Gewinne, ggf. erhöht um verdeckte Gewinnausschüttungen, und getätigte offene und verdeckte Einlagen zzgl. 150.000 € (verdeckt oder offen) ausgeschüttet werden.

Sofern Gewinnvorträge ausgeschüttet oder Rücklagen aufgelöst werden, die dem Zeitraum vor dem Zeitpunkt der Steuerentstehung zuzurechnen sind, ist besondere Vorsicht geboten. Übersteigen diese Ausschüttungen die im Fünf- bzw. Siebenjahreszeitraum nach dem Zeitpunkt der Steuerentstehung erzielten Gewinne und Einlagen zzgl. 150.000 €, handelt es sich insoweit um einen Verstoß gegen die Behaltensregelungen. In Höhe des Betrags der „Überentnahme“ (= nicht begünstigtes Vermögen) entfallen die Privilegierungen für Produktivvermögen.

Vorausschauende Liquiditätsplanung erforderlich

Letztendlich geht es um eine vorausschauende Finanzplanung auf betrieblicher Ebene und eine dynamische (Planung auf der Basis von Stromgrößen = liquiditätswirksame Einnahmen und liquiditätswirksame Ausgaben) und statische (Planung auf der Basis von Bestandsgrößen = Vermögen) Liquiditätsplanung auf privater Ebene. Unsere Software F.I.N.E.S.S umfasst sowohl die statische als auch die dynamische Liquiditätsplanung.

29.8.2016, Dipl.-Volkswirt Holger Hille

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