Einlagerung von Vollmachten bei gewerblichen Anbietern

Einlagerung von Vollmachten – braucht man das wirklich?

Man findet im Netz immer mehr Anbieter, bei denen man seine Vorsorgevollmacht im Original (!) einlagern kann. Teilweise steht hinter dem Angebot auch noch vorab die Möglichkeit, die Vollmacht durch Kooperations-Anwälte (individuell?) erstellen zu lassen. Und immerhin: üblicherweise beinhaltet der Service auch noch die Registrierung der Vollmacht beim Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer.

Auch wenn es grundsätzlich begrüßenswert ist, dass mehr Vollmachten erstellt werden, stellt sich doch die Frage, wie sinnvoll es ist, diese Vollmacht aus der Hand zu geben – und das eben nicht an den Bevollmächtigten, sondern einen Dritten, bei dem „im Bedarfsfall“ das Dokument dann herausverlangt werden soll.

Warum die Vollmacht nicht gleich dem Bevollmächtigten aushändigen?

Dass Testamente im Erbfall geheimnisvollerweise nicht gefunden werden, kann man noch nachvollziehen: gesetzliche Erben könnten nach Lektüre des Testaments zu dem Schluss kommen, dass ihr Erwerb im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge höher wäre und das Testament praktischerweise untergeht, bevor es jemand zum Nachlassgericht bringen konnte. Eine Vollmacht verschwinden zu lassen hat aber nicht den gleichen Effekt, denn dann wird im Zweifel eben vom Gericht ein Betreuer bestellt und auf die Auswahl hat man als Verwandter nur beschränkten Einfluss.

Fehlendes Vertrauen in den Bevollmächtigten

Immer wieder hört man von Vollmachtgebern, dass sie die Vollmacht zunächst nicht an den Bevollmächtigten aushändigen wollen, weil sie befürchten, dass er dann sofort davon Gebrauch macht, indem er z.B. gleich mal bei der Bank fragt, wie hoch der Kontostand denn so ist. Sie haben den Wunsch, die Vollmacht so lange zurück zu halten, bis sie gebraucht wird. Für solche zweifelnden Vollmachtgeber kann ich mir schon vorstellen, dass sie die Vollmacht professionell verwahrt haben wollen.

Ich stelle mir aber die Frage: warum soll der Bevollmächtigte jetzt, wo ich ihn noch kontrollieren kann, die Vollmacht wegen möglichen Missbrauchs nicht bekommen, dann aber schon, wenn der Vertretungsfall eintritt, was automatisch heißt, dass ich ihn nicht mehr (oder jedenfalls nicht mehr lückenlos) überwachen kann?

Wahl des richtigen Bevollmächtigten hat höchste Priorität

Meiner Meinung nach hat bei der Entscheidung für die Erteilung einer (Vorsorge)Vollmacht die Wahl des Bevollmächtigten oberste Priorität: ist das eine Person, der ich blind vertraue, dass sie auch dann ausschließlich in meinem Sinne handelt, wenn ich das nicht mehr kontrollieren kann? Für genau diesen Fall erteile ich ja die Vollmacht. Wer den richtigen Bevollmächtigten wählt – und ihm klare Anweisungen im Innenverhältnis bezüglich der Verwendung der Vollmacht erteilt, der sollte kein Problem damit haben, dem Bevollmächtigten sofort die Vollmacht auszuhändigen. Dann gibt es nämlich im Bedarfsfall überhaupt keine Verzögerung: die Vollmacht muss nicht im Chaos des Vollmachtgebers mühsam gesucht oder bei einem fremden Dritten herausverlangt werden (welche Nachweise für die Herausgabe des Originals erbracht werden müssen bleibt leider auf den Seiten der jeweiligen Anbieter im Dunkeln).

Ob man seine Originalvollmacht fremden Dritten geben sollte, ist Geschmackssache. Kritischer sehe ich aber die Anbieter, bei denen ein virtuelles Konto eröffnet werden kann, in das ich meine wichtigen Dokumente offenbar in eine Cloud speichern kann, da man von überall mit Benutzernamen und Passwort darauf zugreifen kann. Das halte ich im Fall einer Vollmacht aber für sinnlos: der Scann einer Vollmacht ist eben kein Original. Und wenn die Originalvollmacht dann doch nicht an dem Ort verwahrt wird, den ich angegeben habe, dann hilft das Ganze dem Bevollmächtigten nichts, denn ohne Original kann er nicht wirksam handeln und vermutlich wird es zu der eigentlich nicht gewünschten Betreuerbestellung kommen. Abgesehen davon muss der Vollmachtgeber dem Bevollmächtigten dann vorher seinen Benutzernamen und das Passwort verraten, denn wie sonst soll er von den Daten wissen und sie abrufen können?

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