Statistik zur Erbschaftsteuer 2015

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Das Statistische Bundesamt hat die Statistik zur Erbschaft- und Schenkungsteuer 2015 veröffentlicht.

Nachfolgend habe ich für Sie einige interessante Aspekte zusammengefasst.

steuerpflichtiger Erwerbe vor Abzug

der steuerpflichtige Erwerb von Abzug im Jahr 2015 beläuft sich auf 102 Mrd. €, davon entfallen:
– 31,748 auf Erwerbe von Todes wegen
– 64,297 auf Schenkungen

Betriebsvermögen:

Auf Betriebsvermögen und Anteile an Kapitalgesellschaften entfiel eine steuerpflichtiger Erwerb von 55,04 Mrd. €, davon:
–  5,734 € auf Erwerbe von Todes wegen
– 49,306 € auf Schenkungen

Das Instrument der Schenkungen wird überwiegend im Bereich von Produktivvermögen genutzt, dies ist sicherlich auch der anstehenden Änderung des Erbschaftsteuergesetzes, mit den erwartenden Verschlechterungen im Bereich der Unternehmensnachfolge geschuldet.

festgesetzte Steuer 2015:

von der festgesetzte Erbschafts-Schenkungsteuer (ohne beschränkte Steuerpflicht) von 5,487 Mrd. € entfallen:
4,407 Mrd. € auf Erwerbe von Todeswegen
– 1,088 Mrd. € auf Schenkungen

Die festgesetzte Steuer bei beschränkter Steuerpflicht beträgt 17 Mio €

Steuerpflichtige Erwerbe:

Von den steuerpflichtigen Erwerben 2015 entfielen:

auf Erwerb von Todes wegen:
– 141.984 Fälle mit einem steuerpflichtigen Erwerb von 35 Mrd. €
auf Schenkungen:
– 29.971 Fälle mit einem steuerpflichtigen Erwerb von 14 Mrd. €

Die Verteilung nach Steuerklassen in Mrd. €:

Steuerklasse 1 Steuerklasse 2 Steuerklasse 3
steuerpfl. Erwerb 23,276 6,14 5,623
festgesetzte Steuer 2,727 1,279 1,480

Bei den Fällen der Steuerklasse 3 wird es sich in vielen Fällen um den nicht ehelichen Partner handeln. Hier gilt es in der Beratung sinnvolle und steueroptimierte Versorgungskonzepte im Angebot zu haben und anzubieten.

Nachlassverteilung

Im Jahr 2015 betrug der Wert des Reinnachlasses, nach Abzug der Verbindlichkeiten 31,275 Mrd. €, davon entfielen:

– 12,567 Mrd. € auf Grundvermögen
– 22,215 Mrd. € auf übriges Vermögen (überwiegend Kapital u. WP)
–  3,629 Mrd. € auf Betriebsvermögen
–  0,361 Mrd. € auf land. und forstwirtschaftliches Vermögen

ca. 43% der Erwerbe sind in der Größenordnung zwischen 500 T€ und 2,5 Mio €.

Zur vollständigen Statistik

 

Die differenzierte Bewertung des Vermögens – Teil 1: Immobilienvermögen

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Die Bewertung des Vermögens hat im Estate Planning / Generationenberatung eine zentrale Bedeutung. Leider viel zu häufig wird diesem Aspekt eine eher untergeordnete Rolle beigemessen. Bei Immobilien verlässt man sich auf die Wertangaben des Kunden. Diese Werte werden im Anschluss für die wirtschaftlichen – zivilrechtlichen und steuerlichen Betrachtungen herangezogen.

Eine trügerische und fehlerbehaftete Vorgehensweise – wie das nachfolgende Beispiel beweist.

Im Rahmen eines Beratungsmandates, in welchem eine Immobilie eine zentrale Rolle spielte wurde mir vom Kunden ein Wert von 3 Mio. genannt. Er meinte, aktuell werden in München Verkaufspreise in der Größenordnung einer 20fachen Miete erzielt.

Daten des Objektes:

Baujahr 1990
Wohn/Nutzfläche 938 m²
Grundstücksgröße 1.190 m²
Bodenrichtwert 2.000 m²
Anzahl der Wohnungen 18
Jahresnettokaltmiete 152.500 €
Mit Ausnahme des Bodenrichtwertes sind i.d.R. alle für die erbschaftsteuerliche Bewertung erforderlichen Daten vorhanden. Der Kunde war auch gerne bereit, die überschaubaren Kosten von 30 € für die Bodenrichtwertauskunft in München auf sich zu nehmen.

Die erbschaftsteuerliche Bewertung nach dem Ertragswertverfahren – berechnet mit F.I.N.E.S.S. – lieferte einen erbschaftsteuerlichen Wert von 2,38 Mio. (vor Privilegierung)
Eine Abweichung von 620.000 € zum Kunden genannten Verkehrswert.
(*standortspezifische Bewirtschaftungskosten und Bodenwertverzinsung wurden nicht berücksichtigt)

Da im Rahmen des Estate Planning dem Verkehrswert für eine mögliche Erbauseinandersetzung, für Pflichtteile und Pflichtteilsergänzungs-ansprüche eine große Bedeutung zukommt und der Kunde Planungssicherheit haben wollte, wurde für das Objekt ein Verkehrswertgutachten erstellt. Zwischenzeitlich liegt dieses Gutachten vor und weist für das Objekt einen Verkehrswert von 3,6 Mio. aus.

Die Wertabweichungen im Überblick:

Wertangabe des Kunden: 3 Mio.
Verkehrswertgutachten: 3,6 Mio.
Erbschaftsteuerlicher Wert: 2,38 Mio.

Darstellung Vermögensbilanz F.I.N.E.S.S

Checkliste für die Beratung:

Auftragsklärung: Wünscht der Kunde eine überschlägige oder eine ausführliche Betrachtung und Auswertung.
Anmerkung:
>90% meiner Mandaten wünschen eine ausführliche Betrachtung und Auswertung
Datenbeschaffung erforderliche Informationen gem. Datenerhebungsbogen
Plausibilitätsrecherche (Bewertungsabteilung, Immowelt, Immoscout, Immonet, Planethome,…)
Klärung Gutachterausschuss Gibt es regionalspezifische Bewirtschaftungskosten und Bodenwertverzinsung
Bodenrichtwertauskunft www.boris-[bundesland].de
aktueller Immobilienmarktbericht (Kosten des Immobilienmarktbericht der Landeshauptstadt München € 65)
Netzwerk Gutachter Immobilienbewertung, es sollte gewährleistet sein, dass die Gutachten von der Finanzverwaltung anerkannt werden.

Hinweis:
Beleihungswertgutachten sind für diese Zwecke ungeeignet.

Fazit:

Es gibt teilweise erhebliche Unterschiede zwischen Verkehrswert und erbschaftsteuerlichen Wert. Abhängig von den regionalen Gegebenheiten und dem anzuwendenen Bewertungsverfahren ist eine Abweichung in beiden Richtungen möglich. Darauf nicht hinzuweisen, bzw. diese Aspekte unberücksichtigt zu lassen kann aus Haftungs- und Imagegründen problematisch sein. Wer, wenn nicht wir als Estate Planner / Generationenberater sollen sich dem Thema Bewertung annehmen? Anwälte und Notare machen es in der Praxis in der Regel nicht. Mit den richtigen Arbeitsmitteln (F.I.N.E.S.S.) und einer strukturierten Arbeitsweise ist die Bewertung auch kein „Hexenwerk“

Auf den Irrglauben, die Bewertung im Rahmen es Estate Planning /Generationenberatung sei ein Verstoß gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz gehe ich in einem separatem Artikel ein.

Der Unternehmerlohn beim vereinfachten Ertragswertverfahren

Bei der Ermittlung des Steuerwerts nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren kann vom Gewinn i.S.d. § 4 Abs. 1 S. 1 EStG bzw. § 4 Abs. 3 EStG u.a. ein angemessener Unternehmerlohn abgezogen werden, soweit in der bisherigen Ergebnisrechnung kein solcher berücksichtigt worden ist. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften ist daher ein Abzug vorzunehmen. Bei Kapitalgesellschaften ist grundsätzlich ein (weiterer) Abzug ausgeschlossen. Sollte allerdings hier das Geschäftsführergehalt zu niedrig und unangemessen sein, ist eine für den Steuerpflichtigen günstige Korrektur (Abzug) möglich.

Nach R B 202 Abs. 3 ErbStR 2011 wird die Höhe des Unternehmerlohns nach der Vergütung bestimmt, die eine nicht beteiligte Geschäftsführung erhalten würde. Dabei sind die Grundsätze zu beachten, die bei der ertragsteuerlichen Behandlung der verdeckten Gewinnausschüttung angewandt werden. Häufig wird der angemessene Unternehmerlohn aus an leitende Angestellte des Unternehmens gezahlten Bruttogehältern abgeleitet werden können. Soweit branchenspezifische Datensammlungen zu Geschäftsführergehältern in einem Fremdvergleich vorliegen, können diese in geeigneter Weise berücksichtigt werden.

Bei Gehaltsstrukturuntersuchungen ist der obere Rand mit ggf. Zu- und Abschlägen zzgl. eines Sicherheitszuschlags von bis zu 20 % als Ausgangswert anzusetzen (vgl. OFD Düsseldorf v. 17.6.2004). Hier kann auf die BBE-Gehaltsstrukturuntersuchung oder zunächst auf die nachfolgende Tabelle in der Verfügung der OFD Karlsruhe v. 3.4.2009 zurückgegriffen werden.

Branchengruppe

Umsatz:

unter 2.500.000 €

Mitarbeiter: unter 20

Umsatz: 2.500.000 € bis 5.000.000 €

Mitarbeiter: 20 bis 50

Umsatz: 5.000.000 € bis 25.000.000 €

Mitarbeiter: 51 bis 100

Umsatz: 25.000.000 € bis 50.000.000 €

Mitarbeiter: 101 bis 500

Industrie/
Produktion

141.000 € –182.000 €

177.000 € –235.000 €

224.000 € –260.000 €

279.000 € –441.000 €

Großhandel

161.000 € –198.000 €

173.000 € –237.000 €

198.000 € –257.000 €

260.000 € –450.000 €

Einzelhandel

123.000 € –152.000 €

131.000 € –176.000 €

176.000 € –213.000 €

212.000 € –439.000 €

Freiberufler

159.000 € –228.000 €

231.000 € –272.000 €

270.000 € –325.000 €

279.000 € –478.000 €

Sonstige Dienstleistung

136.000 € –182.000 €

188.000 € –230.000 €

213.000 € –265.000 €

242.000 € –459.000 €

Handwerk

102.000 € –145.000 €

136.000 € –191.000 €

184.000 € –237.000 €

205.000 € –364.000 €

Dabei ist u.a. auch die Verfügung der OFD Karlsruhe v. 17.4.2001 zu berücksichtigen. Danach kann für Jahre ab 2009 ein Zuschlag von jeweils 3 % p.a. vorgenommen werden. Sofern eine der in den Tabellenspalten aufgeführten Größen Umsatz/Mitarbeiterzahl überschritten wird, ist die Orientierungsgröße aus der nächsten Spalte abzulesen. Bei Unternehmen, deren Größe sich im Grenzbereich von zwei Spalten bewegt, kommt auch ein Mittelwert zwischen diesen Spalten in Betracht. Werden die in der Zusammenstellung ausgewiesenen Werte um mehr als 20 % überschritten, besteht eine Vermutung für das Vorliegen eines krassen Missverhältnisses zwischen den tatsächlich vereinbarten Gesamtbezügen und den Vergütungen vergleichbarer Fremdgeschäftsführer. Bei guter bzw. schlechter Ertragslage sind Zu- bzw. Abschläge auf die ausgewiesenen Werte möglich. Ein Abschlag kann sich auch aus dem Vorhandensein mehrerer Geschäftsführer rechtfertigen (vgl. dazu auch FG des Saarlandes v. 26.1.2011, 1 K 1509/07, Abschlag von 30 %).

Praxishinweis F.I.N.E.S.S.

Mit F.I.N.E.S.S. kann die Unternehmensbewertung mittels des vereinfachten Ertragswertverfahrens und der Multiplikatorenmethode durchgeführt werden. Erfolgreiche Estate Planner, für die die Zusammenarbeit mit Steuerberatern der Standard ist, lassen sich die erforderlichen Daten vom Steuerberater liefern. Für den weiteren Beratungsprozess stehen somit verlässliche Grundalgendaten zur Verfügung.

Praxistipp:

Die wenigsten Steuerberater haben Beratungsprogramme für Estate Planning und die Bewertung von Unternehmen nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren und der Multiplikatorenmethode. F.I.N.E.S.S. ist ein hervorragendes Mittel zur Stärkung der Zusammenarbeit im Beraternetzwerk.

29.7.2016, Dipl.-Volkswirt Holger Hille

Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz auf Erwerbe nach dem 30.06.2016

Gleich lautende Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder v. 21.06.2016

Anwendung des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes auf Erwerbe, für die die Steuer nach dem 30. Juni 2016 entsteht

Das Bundesverfassungsgericht hat mit Urteil vom 17. Dezember 2014 – 1 BvL 21/12 – ( BStBl 2015 II S. 50) entschieden, dass § 13a und § 13b ErbStG, jeweils in Verbindung mit § 19 Absatz 1 ErbStG, mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar sind. Es hat den Gesetzgeber verpflichtet, spätestens bis zum 30. Juni 2016 eine Neuregelung zu treffen. Bis zu einer Neuregelung bleibt das bisherige Recht in vollem Umfang weiter anwendbar. Das gilt auch für Erwerbe, für die die Steuer nach dem 30. Juni 2016 entsteht.

Die gleich lautenden Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 5. November 2015 ( BStBl 2015 I S. 788) sind zu beachten.