Die Reaktion Bayerns auf den koordinierten Ländererlass v. 22.6.2017

Koordinierter Ländererlass v. 22.6.2017

Wie wir bereits in diesem Blog berichteten, wird in einem umfangreichen, 89-seitigen koordinierten Ländererlass v. 22.6.2017 erläutert, wie die geänderten Vorschriften des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes in der Praxis bzw. bei der Veranlagung genau anzuwenden sind.

Es handelt sich „nur“ um einen koordinierten und nicht gleichlautenden Ländererlass, da der Erlass von Bayern nicht mitgetragen wird.

Bayerisches Landesamt für Steuern v. 14.11.2017

Das Bayerische Landesamt für Steuern hat nunmehr reagiert. Für die Anwendung der geänderten Vorschriften des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes gilt in Bayern, dass sich jeder Steuerpflichtige auf den koordinierten Ländererlass vom 22.6.2017 berufen kann.

Der koordinierte Ländererlass ist aber in zwei Punkten abweichend anzuwenden:

Junges Verwaltungsvermögen (Verwaltungsvermögen, das dem Betrieb im Zeitpunkt der Entstehung der Steuer weniger als zwei Jahre zuzurechnen war): Vorbesitzzeiten von jungem Verwaltungsvermögen bei verbundenen Unternehmen sind zu berücksichtigen.

Ermittlung des verfügbaren Vermögens bei einem Erwerb über 26 Mio. € und Verschonungsbedarfsprüfung: Der Wert des verfügbaren Vermögens ist um die auf den steuerpflichtigen Erwerb entfallende Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer zu mindern.

GeNe Institut

Wir als GeNe GmbH haben bereits sehr frühzeitig auf die veränderte Situation in Bayern hingewiesen. Seien Sie auch künftig immer auf dem aktuellsten Stand, indem Sie an unseren Estate Planner Tagen 2018 in der Region teilnehmen.

Vorsorgevollmacht – Gesellschaftsvertrag – letztwillige Verfügung

Vorsorgevollmacht des Unternehmers

Jeder Unternehmer muss für den Fall der Handlungsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall Vorsorge treffen durch eine entsprechende Vollmacht. Es empfiehlt sich, eine gegenständlich beschränkte Generalvollmacht mit Handlungsanweisungen im Innenverhältnis zu erstellen. Dabei ist auf die unterschiedlichen Rechtsformen zu achten (bei Kapital- und Personengesellschaften sollte von Generalvollmachten nur in inhaltlich reduzierter Weise Gebrauch gemacht werden, vgl. Reymann, ZEV 2005, 461; Schippers, DNotZ 2009, 353). I.d.R. ist es sinnvoll, eine Trennung der Unternehmer-Vorsorgevollmacht von der für den „privaten“ Bereich erteilten General- und Vorsorgevollmacht vorzunehmen.

Die Ausgestaltung des Innenverhältnisses ist abhängig von den Zielvorstellungen des Unternehmers bzw. Gesellschafters, u.a.:

  • Unternehmensfortführung bzw. Halten der Beteiligung ?
  • Liquidation des Unternehmens, Ausscheiden als Gesellschafter ?
  • Verkauf des Unternehmens bzw. der Beteiligung ?
  • Teilentgeltliche oder unentgeltliche Übertragung des Unternehmens bzw. der Beteiligung ?
  • Umwandlung des Einzelunternehmens ?

Die Vorsorgevollmacht sollte notariell beurkundet oder zumindest die Unterschrift bei der Betreuungsbehörde beglaubigt werden.

Abstimmung mit Gesellschaftsvertrag

Nicht nur die letztwillige Verfügung muss mit dem Gesellschaftsvertrag abgestimmt werden, sondern auch die Vorsorgevollmacht des Gesellschafters. Bei einer GmbH findet sich mitunter folgende Formulierung: Jeder Gesellschafter kann sich in der Gesellschafterversammlung nur von einem anderen Gesellschafter oder einem Angehörigen der rechts-, steuerberatenden oder wirtschaftsprüfenden Berufe, der in solchen Fällen gesetzlich zur Berufsverschwiegenheit verpflichtet ist, vertreten lassen oder sich des Beistandes einer solchen Person bedienen. Gehört der Bevollmächtigte (z.B. designierter Unternehmensnachfolger Sohn oder Tochter) nicht zu diesem Personenkreis, ist eine Vertretung in der Gesellschafterversammlung nicht möglich.

Bei Personengesellschaften ist zu beachten, dass eine Stimmrechtsvertretung im Gesellschaftsvertrag zugelassen sein muss oder ein dementsprechender einstimmiger Zulassungsbeschluss aller Gesellschafter vorliegen muss.

Das „selbstgestrickte“ Testament

Ich verteil dann mal

In „selbstgestrickten“ Testamenten bzw. Laientestamenten werden häufig Vermögensgegenstände verteilt, ohne eine Person zum Erben zu bestimmen. Den Testierenden ist nicht bekannt, dass die Erbfolge bezüglich einzelner Gegenstände dem BGB grundsätzlich fremd ist. Es muss immer (mindestens) einen Erben geben!

Sofern der Erblasser über sein gesamtes Vermögen verfügt hat, kommt entgegen der Auslegungsregel des § 2087 Abs. 2 BGB eine Erbeinsetzung der mit einzelnen Gegenständen oder Vermögensgruppen bedachten Personen in Betracht. Eine solche testamentarische Aufteilung des Nachlasses kann als mit einer Teilungsanordnung verbundene Erbeinsetzung angesehen werden, wobei sich die jeweilige Erbquote aus dem Verhältnis des Wertes des zugewendeten Vermögensteils zum Wert des Gesamtnachlasses ergibt. Unter Berücksichtigung der Wertverhältnisse kann die Auslegung aber auch ergeben, dass nur eine der bedachten Personen zum Erben eingesetzt ist, während den anderen lediglich Vermächtnisse zugewendet sind.

Mit oder ohne Wertausgleich

Nicht selten werden einem Miterben einzelne Vermögensgegenstände zugewiesen, ohne jedoch zu regeln, ob es sich insoweit um eine Teilungsanordnung oder ein Vorausvermächtnis handelt. Bei einer Teilungsanordnung muss sich der Miterbe den Wert des Nachlassgegenstandes auf seinen Erbteil anrechnen lassen. Sofern der Wert hierbei nicht ausreicht, muss vom Miterben aus eigenem Vermögen eine entsprechende Ausgleichszahlung geleistet werden (mögliche Liquiditätsbelastung). Zudem ist eine Bewertung des Gesamtnachlasses erforderlich. Der Miterbe kann die Übernahme des ihm durch eine Teilungsanordnung zugewiesenen Gegenstandes grundsätzlich nicht verweigern (Ausnahme: Erblasser wollte ihm nur ein Übernahmerecht und keine Übernahmepflicht einräumen). Das Vorausvermächtnis wird dem bedachten Miterben ungekürzt – noch vor der Erbauseinandersetzung und ohne Anrechnung auf den Erbteil – gewährt („zusätzlich zum Erbteil“).

Verweisung auf den Pflichtteil

Sofern eine Person nur seinen Pflichtteil erhalten soll, ist auch dies eindeutig und klar zu regeln. Die Auslegung kann ergeben, dass es sich um eine Erbeinsetzung (beachte aber § 2304 BGB), Enterbung oder Vermächtniszuwendung handelt.

Optimales Testament

Angesichts der Komplexität des Erbrechts ist es dringend geboten, ein privatschriftliches Testament nur mit professioneller Unterstützung durch eine(n) Rechtsanwältin/Rechtsanwalt oder ein notarielles Testament zu errichten. Allerdings erfordert eine optimale letztwillige Verfügung immer zuvor eine wirtschaftliche Analyse (statische Liquiditätsplanung auf der Basis des Vermögens, dynamische Liquiditätsplanung in Form einer Einnahmen-/Ausgabenrechnung) und einen Abgleich mit den Zielen und Wünschen. Mit unserer Beratungssoftware F.I.N.E.S.S werden wirtschaftliche Analyse und Erarbeitung der Zielvorstellungen erst möglich.

Übersicht Notarkosten

Gebühr und Geschäftswert

Gebührentatbestand Gebühr und Geschäftswert
Ehevertrag 2,0, mindestens 120 €

Geschäftswert bei Wechsel Güterstand: Summe der Werte der gegenwärtigen Vermögen beider Ehegatten – modifiziertes Reinvermögen (Verbindlichkeiten werden bis zur Hälfte des Aktivvermögens jedes Ehegatten abgezogen; Mindestgeschäftswert = halbes Aktivvermögen)

Geschäftswert bei Modifikationen des Güterstands: grundsätzlich wie vorstehend (modifiziertes Reinvermögen), jedoch wenn der Ehevertrag nur bestimmte Vermögenswerte betrifft, deren Wert, höchstens jedoch modifiziertes Reinvermögen (§ 100 GNotKG)

Geschäftswert bei Ausschluss oder Modifikation Versorgungsausgleich: Wert des Rechtsverhältnisses (§ 97 GNotKG)

Geschäftswert bei Unterhaltsvereinbarungen: § 52 GNotKG

Dazu können kommen: Auslagen, 19 % Mehrwertsteuer, Kosten für Registrierung im Testamentsregister (je 15 €)
Gemeinschaftliche Testamente, Erbverträge, Verzichtsverträge 2,0, mindestens 120 €

Geschäftswert, wenn über den ganzen Nachlass oder einen Bruchteil verfügt wird: Wert des Vermögens oder Wert des entsprechenden Bruchteils des Vermögens (Verbindlichkeiten werden bis zur Hälfte des Werts des Vermögens abgezogen) (§ 102 Abs. 1 GNotKG)

Geschäftswert bei Erb-, Zuwendungs- und Pflichtteilsverzichtsverträgen: Erb- bzw. Pflichtteilsquote am modifizierten Reinvermögen maßgeblich (§ 102 Abs. 4 GNotKG)

Dazu können kommen: Auslagen, 19 % Mehrwertsteuer, Kosten für Registrierung im Testamentsregister (je 15 €)
Testamente, Aufhebung Erbvertrag, eidesstattliche Versicherung 1,0 (mindestens 60 €, außer eidesstattliche Versicherung) (Hinweis: wird mit der Niederschrift über die Abnahme der eidesstattlichen Versicherung zugleich ein Erbscheinsantrag an das Nachlassgericht beurkundet, wird mit der 1,0 Gebühr für die Abnahme auch das Beurkundungsverfahren abgegolten)

Geschäftswert für die eidesstattliche Versicherung zur Erlangung des Erbscheins: Wert des Nachlasses im Zeitpunkt des Erbfalls nach Abzug der vom Erblasser herrührenden Verbindlichkeiten (Erblasserschulden) anzusetzen; Erbfallschulden (Pflichtteilsansprüche, Vermächtnisse) sind nicht mehr abzuziehen

Dazu können kommen: Auslagen, 19 % Mehrwertsteuer, Kosten für Registrierung im Testamentsregister (je 15 €)
Vorsorgevollmacht (Generalvollmacht) 1,0, mindestens 60 €

Geschäftswert: Hälfte des Vermögens, maximal 1.000.000 € (§ 98 Abs. 3, 4 GNotKG); Erhöhung des Geschäftswerts um grds. 5.000 € bei zusätzlicher Beurkundung Betreuungs- und Patientenverfügung (§§ 97, 36 Abs. 2, 3 GNotKG)

Dazu können kommen: Auslagen, 19 % Mehrwertsteuer, Kosten für Registrierung im Zentralen Vorsorgeregister (8,50 €)

Gebührentabelle

Gebühr
Geschäftswert in € 0,5 1,0 2,0
50.000 82,50 € 165 € 330 €
100.000 136,50 € 273 € 546 €
250.000 267,50 € 535 € 1.070 €
500.000 467,50 € 935 € 1.870 €
1.000.000 867,50 € 1.735 € 3,470 €
2.000.000 1.667,50 € 3.335 € 6.670 €
5.000.000 4.067,50 € 8.135 € 16.270 €

 Siehe auch: http://www.bnotk.de/Buergerservice/Notarkosten/index.php

Neue Probleme beim Nießbrauch ?

Die Last mit der Lastenverteilung

In der täglichen Beratungspraxis gehört es mittlerweile zum Standardrepertoire eines Netzwerkpartners, die gesetzliche Lastenverteilung beim Nießbrauch durch vertragliche Vereinbarung zu ändern. In der Regel werden auch die größeren Erhaltungsaufwendungen dem Übergeber auferlegt, um einen „Werbungskostenleerlauf“ zu verhindern.

Zur Verdeutlichung soll das folgende Beispiel dienen:

Mutter M überträgt ihrem Sohn S eine vermietete Immobilie und behält sich den lebenslangen dinglichen Nießbrauch vor. Die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung werden weiterhin von M erklärt. 3 Jahre nach der Übertragung stehen größere Erhaltungsaufwendungen an in Form des Einbaus einer Zentralheizungsanlage sowie weitere Sanierungsmaßnahmen. Die Aufwendungen betragen 217.000 €.

In den Einkommensteuererklärungen für die Mutter wird eine Verteilung der Erhaltungsaufwendungen auf fünf Jahre (vgl. § 82b EStDV) beantragt. Innerhalb dieses Zeitraums stirbt die Mutter. Der Sohn S als Alleinerbe möchte die bei seiner Mutter nicht berücksichtigten Erhaltungsaufwendungen als Werbungskosten bei seinen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehen.

Urteil des FG Berlin-Brandenburg

Das FG Berlin-Brandenburg vertritt in seinem Urteil v. 12.7.2017, 7 K 7078/17 die Auffassung, dass eine Übertragung verbleibender Aufwendungen nach § 82b EStDV in Rechtsnachfolgefällen generell ausscheide, insbesondere aber im hier vorliegenden Fall, in dem ein Vorbehaltsnießbraucher Erhaltungsaufwendungen trage, nach § 82b EStDV verteilt, im Verteilungszeitraum sterbe und vom Grundstückseigentümer beerbt werde. Die Revision zum BFH wurde zugelassen.

Auch das FG Münster (Urteil v. 15.4.2016, 4 K 422/15 E, rkr.) kommt zu dem Ergebnis, dass der Eigentümer die Erhaltungsaufwendungen, die der Nießbraucher nach § 82b EStDV auf mehrere Jahre verteilt hat, nicht nach Beendigung des Nießbrauchs innerhalb des Verteilungszeitraums in Höhe des verbliebenen Teils als Werbungskosten geltend machen kann. Allerdings wurde hier der Nießbrauch durch Vereinbarung des Eigentümers und des Nießbrauchers aufgehoben.

Rentenbeginn, Rentenabschläge und Zusatzbeiträge

 

Jüngst wurde in einigen Zeitungen (u.a. Handelsblatt v. 1./2./3. September 2017: „Geld verdienen mit der Rente“) auf die Möglichkeit der Zahlung von Zusatzbeiträgen ab einem Alter von 50 Jahren in die gesetzliche Rentenversicherung hingewiesen, um spätere Rentenabschläge auszugleichen. Kunden und deren Beratern ist aber häufig nicht bewusst, wann überhaupt eine vorzeitige Inanspruchnahme möglich ist.

Übersicht Renteneintritt und vorzeitige Inanspruchnahme

Die nachfolgende Übersicht berücksichtigt nicht die Vertrauensschutzregelungen.

Rentenart Altersgrenze Vorzeitige Inanspruch-nahme möglich

Regelaltersrente

(Wartezeit: 5 J.)

Geburtsjahr vor 1947: 65 Jahre

Geburtsjahr 1947-1963: stufenweise Anhebung

Geburtsjahr ab 1964: 67 Jahre

nein
Altersrente für langjährig Versicherte

(Wartezeit: 35 J.)

Geburtsjahr vor 1949: 65 Jahre

Geburtsjahr 1949-1963: stufenweise Anhebung

Geburtsjahr ab 1964: 67 Jahre

ja ab 63

Abschlag von 0,3 % pro Monat, maximal 14,4 %

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

(Wartezeit: 45 J.)

Geburtsjahr vor 1953: 63 Jahre

Geburtsjahr 1953-1963: stufenweise Anhebung

Geburtsjahr ab 1964: 65 Jahre

nein
Altersrente für schwerbehinderte Menschen

(Wartezeit: 35 J.)

Geburtsjahr vor 1952: 63 Jahre

Geburtsjahr 1953-1963: stufenweise Anhebung

Geburtsjahr ab 1964: 65 Jahre

ja ab 60 (mit stufenweiser Anhebung)

Abschlag von 0,3 % pro Monat, maximal 10,8 %

Natürlich ist ein Ausgleich von Rentenabschlägen durch Zusatzbeiträge nur bei Arbeitnehmern möglich, die die Voraussetzungen für eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen erfüllen. Andernfalls wird eine entsprechend höhere Rente gezahlt.

Die Deutsche Rentenversicherung weist auf ihrer Homepage darauf hin, dass Versicherte seit dem 1.7.2017 bereits ab dem 50. Lebensjahr von der Rentenversicherung eine Auskunft (Rentenauskunft) anfordern können, welcher Betrag zum Ausgleich von Rentenabschlägen erforderlich ist (vgl. dazu auch § 109 SGB VI).

Ruhestandsplanung mit F.I.N.E.S.S

Eine optimale Ruhestandsplanung erfordert eine professionelle Beratungssoftware. Nicht nur die wirtschaftliche Analyse der Auswirkungen des Todes- und eines eventuellen Pflegefalls können in F.I.N.E.S.S abgebildet werden, sondern auch der (geplante) Renteneintritt und die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen.

Anwendung des neuen Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts – koordinierter Ländererlass v. 22.6.2017

Alle ohne Bayern

Das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen hat den koordinierten Ländererlass zur Anwendung der geänderten Vorschriften des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes veröffentlicht. Darauf weist der Steuerberaterverband Thüringen in einer News v. 24.7.2017 hin.

Es handelt sich „nur“ um einen koordinierten und nicht gleichlautenden Ländererlass, da Bayern wohl andere Wege geht. Das ist sicherlich außergewöhnlich. Aus Kreisen der Finanzverwaltung ist zu hören, dass sich die bayerischen Finanzämter wohl an dem Ländererlass orientieren werden, im Einzelfall aber eine für den Steuerpflichtigen günstigere Anwendung des neuen Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts möglich sei.

F.I.N.E.S.S

In unserer Beratungssoftware haben wir bereits seit Februar 2017 die Neuregelungen berücksichtigt. Wir freuen uns, dass die 89 Seiten des Ländererlasses unsere Berechnungen in F.I.N.E.S.S weitestgehend bestätigen.

Wohnungsrecht und Zerstörung des Gebäudes

Erlöschen durch Zerstörung

Das Wohnungsrecht erlischt bekanntlich durch Tod, Befristung oder Eintritt einer auflösenden Bedingung. Vielen Kunden und auch manchen Beratern ist aber nicht bekannt, dass nach ständiger Rechtsprechung des BGH (vgl. BGHZ, 7, BGHZ Band 7 Seite 268, BGHZ Band 7 Seite 273 f.; 8, BGHZ Band 8 Seite 58, BGHZ Band 8 Seite 62 ff.) das Wohnungsrecht mit der Zerstörung der Räume oder des Gebäudes (z.B. durch Blitzeinschlag) erlischt. Den Eigentümer trifft keine Wiederaufbaupflicht und auch bei einem Wiederaufbau lebt das Wohnungsrecht nicht wieder auf (keine Wiedereinräumungspflicht). Besonderheiten können sich nur aus den landesrechtlichen Leibgedingsbestimmungen (vgl. Art. 96 EGBGB) ergeben.

Wohnungsreallast

Für den Fall der Zerstörung sollte der Wohnungsberechtigte durch eine Wohnungsreallast gesichert werden. In diesem Fall wird der Eigentümer zur Wohnungsgewährung verpflichtet. Dabei ist auf den Bestimmtheitsgrundsatz zu achten (vgl. Lange-Parpart, RNotZ 2008, 389ff.)

Brandvormerkung

Eine Brandvormerkung, d.h. eine Vormerkung auf Bestellung eines neuen Wohnungsrechts im Fall einer Zerstörung des Gebäudes, ist alleine nicht ausreichend. Die Brandvormerkung erfasst nicht die Verpflichtung zur Neuerrichtung eines Gebäudes. Zudem setzt sie den Wiederaufbau mit gleicher Raumaufteilung wie der Ursprungsbau voraus (vgl. Milzer, BWNotZ 7/05, 137).

Weiterer Beratungsbedarf beim gesetzlichen Vertretungsrecht

Bundesratssitzung am 7.7.2017

Das Gesetz zur Verbesserung der Beistandsmöglichkeiten unter Ehegatten und Lebenspartnern in Angelegenheiten der Gesundheitssorge und zur Anpassung der Betreuer- und Vormündervergütung ist von der Tagesordnung der Plenarsitzung am 7.7.2017 abgesetzt worden.

Das Gesetz in der vom Bundestag beschlossenen Fassung bedürfe weiterer Überprüfung und Beratung. Die durch den Bundestag entsprechend der Beschlussempfehlung seines Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz (BT-Drucksache 18/12427) vorgenommene Verknüpfung der Anpassung der Vergütung der Berufsbetreuer, -vormünder und Verfahrenspfleger mit der durch den ursprünglichen Gesetzentwurf des Bundesrates allein verfolgten Verbesserung der Beistandsmöglichkeiten unter Ehegatten und Lebenspartnern in Angelegenheiten der Gesundheitssorge und in Fürsorgeangelegenheiten ist mangels Sachzusammenhangs sei nicht opportun. Zwar verdiene das Ziel einer angemessenen Vergütung der Berufsbetreuer, -vormünder und Verfahrenspfleger Unterstützung. Jedoch erfordere die Entscheidung über die Anpassung der Betreuervergütung zunächst eine differenzierte Betrachtung der Gesamtproblematik auf der Grundlage der noch ausstehenden Forschungsergebnisse der rechtstatsächlichen Untersuchung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz zur Qualität in der rechtlichen Betreuung. Die Diskussion um eine angemessene Vergütung der Betreuer könne nicht ohne Bewertung der Qualität der rechtlichen Betreuung geführt werden (vgl. BR-Drucksache 460/1/17).

Land- und forstwirtschaftliches Vermögen nach der Erbschaftsteuerreform

Begünstigungsfähiges Vermögen

Zum begünstigungsfähigen Vermögen gehören der inländische Wirtschaftsteil des land- und forstwirtschaftlichen Vermögens, selbst bewirtschaftete Grundstücke i.S.d. § 159 BewG sowie entsprechendes land- und forstwirtschaftliches Vermögen, das einer Betriebsstätte in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder in einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraums dient. Stückländereien sind dagegen für erbschaft- und schenkungsteuerliche Zwecke auch nach der Erbschaftsteuerreform wie Privatvermögen zu behandeln, sie gehören nicht zum begünstigungsfähigen Vermögen. Stückländereien sind einzelne land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen, bei denen die Wirtschaftsgebäude oder die Betriebsmittel oder beide Arten von Wirtschaftsgütern nicht dem Eigentümer des Grund und Bodens gehören, sondern am Bewertungsstichtag für mindestens 15 Jahre einem anderen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft zu dienen bestimmt sind (vgl. § 160 Abs. 7 BewG). Verpachtet also z.B. ein Eigentümer, der selbst keinen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb führt (Nichtlandwirt), Flächen zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung für weniger als 15 Jahre an einen Dritten, handelt es sich insoweit um begünstigungsfähiges Vermögen.

Zum nicht begünstigungsfähigen Vermögen gehören (weiterhin) die Betriebswohnungen und der Wohnteil inkl. der Altenteilerwohnungen.

Verwaltungsvermögen

Das begünstigungsfähige Vermögen ist grundsätzlich (Ausnahme: 90%-Grenze) aufzuteilen in begünstigtes und nicht begünstigtes Vermögen. Dies erfolgt mittels des Verwaltungsvermögenskatalogs. Bei land- und forstwirtschaftlichem Vermögen sind hier Besonderheiten zu beachten. So gehören von vornherein Geschäftsguthaben, Wertpapiere und Beteiligungen (u.a. Anteile an Personen- und Kapitalgesellschaften), Geldforderungen und Zahlungsmittel nicht zum land- und forstwirtschaftlichen Vermögen (vgl. § 158 Abs. 4 BewG). Daher sind diese Wirtschaftsgüter zum einen bei der Anwendung des Verwaltungsvermögenskatalogs irrelevant, zum anderen sind sie für erbschaft- und schenkungsteuerliche Zwecke wie Privatvermögen zu behandeln. Dritten zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung überlassene Grundstücke gehören dagegen zum land- und forstwirtschaftlichen Vermögen (Wirtschaftsteil), stellen jedoch kein Verwaltungsvermögen dar (vgl. § 13b Abs. 4 Nr. 1 Buchst. f ErbStG).

Statische Liquiditätsplanung

Neben der Ermittlung der Erbschaftsteuer sind bei der Nachfolge in land- und forstwirtschaftliches Vermögen weitere wichtige Parameter für die statische Liquiditätsplanung zu berücksichtigen. Die Beratungssoftware F.I.N.E.S.S kann u.a. die wirtschaftlichen Besonderheiten bei Anwendung der Höfeordnung und des Landgut-Erbrechts des BGB abbilden.