Anlageentscheidungen durch einen Bevollmächtigten und WpHG

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Fälle, in denen Bevollmächtigte im Rahmen einer Vorsorge- Generalvollmacht für den Vollmachtgeber Bank- und Anlagegeschäfte tätigen, nehmen aufgrund der Überalterung der Gesellschaft merklich zu. Unsicherheiten bei den Beratern und den Bevollmächtigten sind an der Tagesordnung. Dabei ergeben geht es u.a. um folgende Fragestellungen:

  1. Kann, darf oder muss mit dem Bevollmächtigten die Basisdokumentation gem. WpHG durchgeführt werden?
  2. Kann der Bevollmächtigte in abweichende Risikoklassen investieren, als mit dem Kontoinhaber festgelegt wurde?
  3. Macht es einen Unterschied, ob der Vertreter als Bevollmächtigter oder als Betreuer agiert?

Kann, darf oder muss mit dem Bevollmächtigten die Basisdokumentation durchgeführt werden?

Die Beantwortung der Frage ergibt sich im Grunde schon aus den Formularen, die für die Basisdokumentation eingesetzt werden. Diese sehen vor, dass nicht zwangsläufig der Kunde, sondern auch ein Bevollmächtigter als handelnde Person der Adressat der Basisdokumentation sein kann.

Basisdoku

Kann der Bevollmächtigte in höhere Risikoklassen investieren als mit dem Kontoinhaber im Rahmen der Basisdokumentation festgelegt wurde?

In den gängigen Vollmachten finden sich zur Vermögenssorge folgende Formulierungen:

Der Bevollmächtigte darf mein Vermögen verwalten und hierbei alle Rechtshandlungen und Rechtsgeschäfte im In- und Ausland vornehmen, Erklärungen aller Art abgeben und entgegennehmen sowie Anträge stellen, abändern, zurücknehmen, namentlich:

  • Über Vermögensgegenstände jeder Art verfügen
  • Zahlungen und Wertgegenstände entgegennehmen
  • Verbindlichkeiten eingehen
  • Willenserklärungen bezüglich meiner Konten, Depots und Safes abgeben.
  • Er darf mich im Geschäftsverkehr mit Kreditinstituten vertreten.
    Aus: Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter, Verlag C.H. Beck

 Somit ergibt sich aus der Vollmacht, dass der Bevollmächtigte gegenüber der Bank wie der Kontoinhaber selbst agieren kann. Die Basisdokumentation hat zum Ziel aufgrund der Erfahrungen und der Anlageziele die Eignung der Anlage zu prüfen. In einem Fall, in dem Kunde selbst nicht mehr handeln kann und auf die Vertretung durch den Bevollmächtigten angewiesen ist, wird sich in vielen Fällen auch eine andere Ausgangssituation ergeben als die, die im Rahmen der ursprünglichen Dokumentation festgehalten wurde. Diese Herausforderung lässt sich nur dahingehend meistern, dass:

  • Der Bevollmächtigte frühzeitig in Anlageentscheidungen und in das Gespräch mit der Bank mit einbezogen wird.
  • Bei einer Vollmacht nicht nur das Außenverhältnis, d.h. die Vollmacht erstellt wird, sondern das Innenverhältnis der Vollmacht detailliert geregelt wird.

Beide Punkte werden im Estate Planning (Generationenberatung) wenn es richtig betrieben wird, behandelt.

Macht es einen Unterschied, ob der Vertreter als Bevollmächtigter oder als Betreuer agiert?

Fälle, in denen Anlageentscheidungen durch den Bevollmächtigten aufgrund einer fehlenden oder nicht aktuellen Basisdokumentation nicht ausgeführt werden, sind leider keine Seltenheit. Den Bevollmächtigten wird empfohlen, sich als Betreuer bestellen zu lassen. Als Betreuer könne er dann die Anlageentscheidung treffen.

Ein derartiges Vorgehen ist grob fehlerhaft. Aufgrund einer vorhandenen formgültigen Vollmacht ist gemäß § 1896 Abs. 2 BGB eine Betreuerbestellung ausgeschlossen.

1896 Abs. 2 BGB: Ein Betreuer darf nur für Aufgabenkreise bestellt werden, in denen die Betreuung erforderlich ist. Die Betreuung ist nicht erforderlich, soweit die Angelegenheit des Volljährigen durch einen Bevollmächtigten, der nicht zu den in § 1897 Abs. 3 bezeichneten Personen gehört, oder durch andere Hilfen, bei denen kein gesetzlicher Vertreter bestellt wird, ebenso gut wie durch einen Betreuer besorgt werden können.

Ein Finanzdienstleister, der so agiert, handelt fehlerhaft, verärgert seine Kunden und setzt langjährige Geschäftsbeziehungen fahrlässig aufs Spiel. Der Bevollmächtigte kann aufgrund der Vollmacht die Gelder zu einem anderen Anbieter transformieren und dort frei im Rahmen der dann neu festgelegten Anlagementalität, Erfahrungen und Anlageziele handeln. Der Verlust der Geschäftsbeziehung zu einem langjährigen Kunden ist vorprogrammiert.

Fazit:

Die Abstimmung der finanziellen mit der rechtlichen Versorge ist unabdingbar. Es reicht nicht aus, Kunden darauf hinzuweisen, Vollmachten zu erteilen, wenn im Vertretungsfall die Bank und der Bevollmächtigte unsicher sind, wie zu handeln ist. Ein idealtypisches Estate Planning hat die Abstimmung der finanziellen mit der rechtlichen Vorsorge zum Ziel. Auf Grundlage der Vorstellungen des Kunden werden auch die Rahmenbedingungen für das Handeln des Bevollmächtigten (Innenverhältnis der Vollmacht) festgelegt. Ein gemeinsames Gespräch mit dem Kunden und den Bevollmächtigten, in welchem die Grundsätze der Vermögensanlage auch für den Vertretungsfall festgelegt werden, ist anzustreben. Sie werden überrascht sein, wie dankbar Ihre Kunden ein solches Vorgehen aufnehmen und welche Geschäftspotenziale sich hieraus ergeben.

Es ist höchste Zeit umzudenken, die Zeichen der Zeit zu erkennen und aktiv zu werden. Gerne stehe ich Ihnen mit Rat und Tat zur Seite

Ihr Heinz Angermair

 

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