Die wirtschaftliche Hauptleistung in der Wohlsorgeberatung

Falsche bzw. unzulässige Dienstleistungen

Häufig wird von Banken und freien Finanzdienstleistern der Inhalt der Beratungsdienstleistung „Generationenberatung bzw. Generationenmanagement oder Estate Planning“ missverstanden. Dies ist auch die Ursache von derzeitigen Abmahnungen und Klagen wegen eines Verstoßes gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz.

So wird u.a. mit folgenden Dienstleistungen geworben:

„Erstellung von Vollmachten; Wir beraten zu Generalvollmacht, Betreuungsverfügung, …; Regeln Sie alle 4 Säulen – u.a. das Testament; Optimierung der Erbschaftsteuer; Stiftungsberatung inkl. Erstellung von Stiftungssatzungen; Optimale Nachfolgeplanung und Testamentsgestaltung unter erbrechtlichen und steuerlichen Gesichtspunkten – gerne auch in Kooperation mit Notaren, Steuerberatern und Rechtsanwälten Ihres Vertrauens“.

Die vorstehende Liste lässt sich problemlos weiterführen, eine kurzweilige Internetrecherche führt zu der Erkenntnis, dass das unreflektierte Kopieren von Inhalten auch hier Einzug gehalten hat – allerdings mit gravierenden Folgen.

Worum sollte es eigentlich gehen ?

Bei der Wohlsorgeberatung geht es auf der immateriellen Ebene um die intensive Eruierung der Zielvorstellungen des Kunden, insbesondere mit Blick auf Vermögen und Liquidität. Auf der materiellen Ebene geht es um die statische Liquiditätsplanung (Planung auf der Basis von Bestandsgrößen = Vermögen) und die dynamische Liquiditätsplanung (Planung auf der Basis von Stromgrößen = liquiditätswirksame Einnahmen und Ausgaben). Die Netzwerkpartner Rechtsanwalt und Notar können nur dann eine optimale letztwillige Verfügung oder einen lebzeitigen Übergabevertrag erstellen, wenn zuvor auf der wirtschaftlichen Ebene eine entsprechende Analyse gefertigt worden ist. Folgende ausgewählte Fragen sollen den vorstehenden Aspekt kurz verdeutlichen:

Erbeinsetzungen (allgemein): Passt die Vermögensstruktur (auch in der Zukunft) zu den jeweiligen Erbteilen ?

Erbeinsetzung des Ehegatten: Ist damit eine gewünschte finanzielle Absicherung des überlebenden Ehegatten auch unter Berücksichtigung eines Pflegefalls gegeben ?

Stückvermächtnis: Wurde eine veränderte Vermögensstruktur in der Zukunft z.B. durch Pflegefall berücksichtigt ?

Rentenvermächtnis: Wurde die festzulegende Höhe der monatlichen Zahlung durch eine dynamische Liquiditätsplanung ermittelt ?

Nießbrauchsvermächtnis: Wurden die wirtschaftlichen Folgen für den Vermächtnisnehmer und den Beschwerten unter Berücksichtigung seiner Ziele und Wünsche analysiert ?

Übertragung unter Nießbrauchsvorbehalt: Wurde geprüft, ob nach der geplanten Übertragung die Versorgungssituation des Übergebers und dessen Ehegatten bei einem Pflegefall ausreichend ist (Stichwort: Kapitalverzehr erforderlich) ?

Aus diesen Fragen wird deutlich, dass es zum Wohle des Kunden nicht ohne ein Netzwerk geht. Wissen im zivil- und steuerrechtlichen Bereich kann und darf von Banken und freien Finanzdienstleistern nur passiv verwendet und nicht aktiv eingesetzt werden. Passiv, um auf der wirtschaftlichen Ebene und im Bereich der Finanzprodukte die richtigen Schlussfolgerungen ziehen zu können.

Wohlsorgeberatung ist mehr

Wohlsorgeberatung umfasst aber nicht nur das Szenario „Todesfall/Vermögensnachfolge“, sondern – wie bereits mit den vorstehenden Fragen verdeutlicht – auch das Szenario „Pflegefall“ sowie den Eintritt in den Ruhestand.

6.4.2017, Dipl.-Volkswirt Holger Hille