Was verstehen Sie unter Vorsorge? oder „Mein Teekesselchen ist…“

Was verstehen Sie unter Vorsorge?

In jedem Beratungsgespräch  setze ich mich mit der Sichtweise meines Mandanten unter dem Aspekt „Was verstehen Sie unter Vorsorge“ auseinander. Menschen in der Vorsorgeplanung beraten zu dürfen ist eine vielschichtige, faszinierende Aufgabe und voller Überraschungen.

Bestimmt erinnern sich viele von Ihnen an das Spiel aus der Kinderzeit „Mein Teekesselchen ist…“. Das Teekesselchen ist ein Begriff, der zwei Bedeutungen hat. Da wäre zum Beispiel die Bank als Finanzdienstleistungsunternehmen und die Bank als Ruheort nach einem schönen Spaziergang bei Sonnenschein. Auf den ersten Blick der gleiche Begriff und zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen.

Der Vorsorge-Begriff aus Kundensicht…

Den Vorsorge-Begriff aus Kundensicht transparent zu machen und zu verstehen, ist immer wieder herausfordernd und nicht digitalisierbar.

Dies erfordert die intensive Auseinandersetzung mit den Motiven des Mandanten, seinem persönlichen Umfeld, der Liquidität aller Lebensphasen und dem zur Verfügung stehenden Vermögen.

Dann ergibt sich ein Bild der konkreten, individuellen Vorsorge-Situation des Mandanten und daraus leiten sich Handlungsempfehlungen wirtschaftlich/finanzieller Natur ab.

Wenn ich in der Beratung von Vorsorge für die kommenden Lebensphasen spreche, geschieht es häufig, dass der Mandant eine Abwehrhaltung einnimmt. Hinterfragt man diese Reaktion der Menschen näher, dann stellt sich heraus, dass sie Erfahrungen gemacht haben und kritisch sind.

Sie haben die Befürchtung, dass sofort Vorsorgeprodukte im Sinne von Versicherungen zum Einsatz kommen.

Aus der Praxis…

Erst kürzlich ist es mir passiert, dass ein Mandant im ersten Gespräch die Analyse seiner Vorsorgesituation für die kommenden Lebensphasen abgelehnt hat. Er wollte nur die finanziellen Risiken eines Todesfalls kennen lernen. Im zweiten Gespräch hat er mir dann gesagt, dass ich ihn missverstanden habe.

Er möchte sehr wohl alle finanziellen Risiken der Vorsorge betrachten – also für alle Lebensphasen und den Todesfall inklusive Hinterbliebenenversorgung.

Er möchte aber auf keinen Fall sofort eine Versicherung als Lösungsvorschlag auf den Tisch bekommen.

„Mein Teekesselchen ist…?“

Was bedeutet Vorsorge aus Kundensicht?

Ist es an der Zeit, dass die Finanzdienstleistungsbranche wie ein namhafter Autohersteller das Umparken im Kopf beginnt?

Vorsorgeplanung ist das Kerngeschäft der Finanzdienstleistungsbranche und eine wichtige und ehrenvolle Aufgabe, wenn sie aus Kundensicht und als dauerhafter Prozess erfolgt.

Es gilt also das „Teekesselchen Vorsorge“ mit neuen Leben zu füllen.

Dann ergeben sich sinnvolle Produktlösungen, denen der Kunde gerne folgt, weil er sie versteht und sie sein individuelles Problem lösen.

Konkret heißt das dann:

Komplementäres Vorsorge & Nachfolge Management  =

Win-Win-Lösungen für Mandanten und Finanzdienstleister

 

Vom Estate Planning zum komplementären Vorsorge & Nachfolge Management

Vom Estate Planning zum komplementären Vorsorge & Nachfolge Management

Estate Planning und Generationenberatung sind in Deutschland zu stark auf die rechtlichen und steuerlichen Aspekte ausgerichtet. Der Mehrwert, den Berater aus den Finanzdienstleistungsmarkt mit diesen Beratungsansätzen für Kunden und sich und ihr Unternehmen generieren können, bleibt auf der Strecke.

Das was sich Berater und Finanzdienstleistungsunternehmen mit Estate Planning und Generationenberatung versprochen haben, wurde häufig nicht erreicht.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns zu einer strategischen Neupositionierung entschlossen und Estate Planning zum komplementäres Vorsorge & Nachfolge Management weiterentwickelt.

Vorsorge für den Erlebens- und Todesfall => darum geht es beim komplementären Vorsorge & Nachfolge Management

Die Planung und Gestaltung der persönlichen Vorsorge für den Erlebens- und Todesfall ist eine komplexe, vielschichtige Aufgabe, die von keiner Berufsgruppe / Berater vollumfänglich erbracht werden kann.

Eine an den Zielen und Wünschen des Kunden orientierte finanziell und rechtlich abgestimmte Vorsorge für den Erlebens- und Todesfall erfordert eine abgestimmte Zusammenarbeit der am Prozess beteiligten Berater.

Aus der Summe der komplementären (ergänzenden) Beratungstätigkeiten der beteiligten Berater ergibt sich somit für den Kunden seine individuelle Vorsorgegestaltung für den Erlebens- und Todesfall.

Mehr als Planung:

Nur zu planen, wie es die Begrifflichkeiten Estate Planning und Financial Planning suggerieren ist zu kurz gesprungen. Die persönliche Vorsorge für den Erlebens- und Todesfall ist ein laufender Prozess, viele Entscheidungen des täglichen Lebens, sei es im Familien- Personenumfeld oder im finanziellen Bereich haben unmittelbare Auswirkungen auf die Gestaltung.

Damit werden Beratungsdienstleistungen in diesem Themenfeld zu einem Dauermandat, welches zu einer intensiven Kundenbindung und Stärkung der Geschäftsbeziehung über Generationen hinweg führt.

Der Prozess erfordert ein Management.

Zusammenhänge und Abhängigkeiten zu erkennen, die Koordination der Beteiligten Berater und Gestaltungsmaßnahmen erfordert ein Management des Prozesses.

Ähnlich wie im medizinischen Bereich bedarf es einer zentralen Anlaufstelle, einem „Hausarzt“.

Unsere Konsequenz:

Um den Anforderungen an die Beratung gerecht zu werden, haben wir uns dazu entschlossen, für das Beratungsangebot eine passende Bezeichnung und für die Berater einen passenden Titel zu wählen:

Das Beratungsangebot:

Komplementäres Vorsorge- und Nachfolgemanagement

Die Begrifflichkeit „Komplementäres Vorsorge- und Nachfolgemanagement“ verdeutlicht, dass es sich um eine Dienstleistung handelt, an der Berater aus verschiedenen Gebieten an einer Lösung für den Kunden arbeiten. Weiter wird verdeutlicht, dass es eines Managements des Prozesses bedarf. Berater aus dem Finanzdienstleistungsbereich, die diese Funktion einnehmen haben Ihren Schwerpunkt naturgemäß im Bereich der finanziellen Vorsorge und im Bereich der Erarbeitung und Konkretisierung der Zielvorstellungen des Kunden. Darüber hinaus sind sie prädestiniert, die „Mangerrolle“ im Prozess auszufüllen. 

Folgt man dem Beratungsgrundsatz:

Die finanzielle Vorsorge für den Erlebens- und Todesfall ist die Grundlage der rechtlichen Vorsorge, sind neben dem Beratungshonorar nennenswerte Umsetzungserlöse garantiert.

Grundsätze des Komplementären Vorsorge- und Nachfolgemanagements im Überblick:

  • Komplementäres Vorsorge- und Nachlassmanagement steht für eine an den Vorstellungen des Mandanten orientierten, finanziell und rechtlich abgestimmten Vorsorge für den Erlebens- und Todesfall.
  • Die finanzielle Vorsorge ist die Grundlage der rechtlichen Vorsorge, nur über das was vorhanden ist, können auch Regelungen erstellt werden.
  • Die Beratung folgt einem strukturierten, kennzahlenbasierten Prozess und nutzt professionelle Beratungsinstrumente.
  • Die Berater verfügen über nachgewiesene Methoden- und Beratungskompetenz.
  • Die am Beratungsprozess beteiligten Berater agieren gleichberechtigt und dem Mandantenwohl dienend.
  • Finanz- Vorsorgeprodukte und rechtliche Instrumente, z.B. Testament, Vollmachten, Verfügungen, sind gleichberechtigte Gestaltungsmittel.
  • Gestaltungen richten sich einzig allein danach, ob diese zur Erreichung der Zielvorstellung des Mandanten führen.
  • Komplementäres Vorsorge- und Nachfolgemanagement ist eine honorarpflichtige Tätigkeit.

Beraterqualifikation:

Berater für komplementäres Vorsorge & Nachfolge Management (Privatkunden)

Senior Berater für komplementäres für Vorsorge & Nachfolge Management (Privat und Firmenkunden)          

Auf der Grundlage unseres bisherigen Estate Planner Grund- und Aufbaustudiums haben wir die Inhalte an die neuen Herausforderungen erweitert und angepasst.

Prozesskompetenz und das erstellen von abgestimmten Vorsorgekonzepten für den Erlebens- und Todesfall werden künftig neben den rechtlichen und steuerlichen Themen ausführlich behandelt.

Zertifizierung GeNe Institut

Nach erfolgreichem Abschluss der Qualifizierungsmaßnahmen und Praxisnachweis bieten nachfolgende Zertifizierungsmöglichkeiten an:

für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

zertifizierung@gene-institut.de

Beratungssystem

Mit dem GeNe System für „Komplementäres Vorsorge & Nachfolge Management“ steht Ihnen ein bewährtes, rechtssicheres, aufeinander abgestimmtes Qualifizierungs- und Beratungssystem zur Verfügung.

Das vermittelte Know-how ist eins zu ein in der Praxis umsetzbar.

Das Beratungssystem umfasst alles was Sie in der Beratungspraxis benötigen um bestehende Vorsorgekonzepte Ihrer Kunden zu überprüfen, anzupassen oder neue Vorsorgekonzepte zu entwickeln.

Das Methodensystem stellt sicher, dass sich Ihr Kunde mit den Themen intensiv beschäftigt und konkrete Vorgaben in Bezug auf seine persönlichen Vorstellungen geben kann. 

Die integrierten Verträge, Vereinbarungen und Checklisten standardisieren und vereinfachen den Beratungsprozess.

Ihr Nutzen: Honorare – Umsetzungserlöse – Kundenbindung und Kundengewinnung

Wir freuen uns, auf Sie

Ihr Heinz Angermair

Die Reaktion Bayerns auf den koordinierten Ländererlass v. 22.6.2017

Koordinierter Ländererlass v. 22.6.2017

Wie wir bereits in diesem Blog berichteten, wird in einem umfangreichen, 89-seitigen koordinierten Ländererlass v. 22.6.2017 erläutert, wie die geänderten Vorschriften des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes in der Praxis bzw. bei der Veranlagung genau anzuwenden sind.

Es handelt sich „nur“ um einen koordinierten und nicht gleichlautenden Ländererlass, da der Erlass von Bayern nicht mitgetragen wird.

Bayerisches Landesamt für Steuern v. 14.11.2017

Das Bayerische Landesamt für Steuern hat nunmehr reagiert. Für die Anwendung der geänderten Vorschriften des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes gilt in Bayern, dass sich jeder Steuerpflichtige auf den koordinierten Ländererlass vom 22.6.2017 berufen kann.

Der koordinierte Ländererlass ist aber in zwei Punkten abweichend anzuwenden:

Junges Verwaltungsvermögen (Verwaltungsvermögen, das dem Betrieb im Zeitpunkt der Entstehung der Steuer weniger als zwei Jahre zuzurechnen war): Vorbesitzzeiten von jungem Verwaltungsvermögen bei verbundenen Unternehmen sind zu berücksichtigen.

Ermittlung des verfügbaren Vermögens bei einem Erwerb über 26 Mio. € und Verschonungsbedarfsprüfung: Der Wert des verfügbaren Vermögens ist um die auf den steuerpflichtigen Erwerb entfallende Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer zu mindern.

GeNe Institut

Wir als GeNe GmbH haben bereits sehr frühzeitig auf die veränderte Situation in Bayern hingewiesen. Seien Sie auch künftig immer auf dem aktuellsten Stand, indem Sie an unseren Estate Planner Tagen 2018 in der Region teilnehmen.

Vorsorgevollmacht – Gesellschaftsvertrag – letztwillige Verfügung

Vorsorgevollmacht des Unternehmers

Jeder Unternehmer muss für den Fall der Handlungsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall Vorsorge treffen durch eine entsprechende Vollmacht. Es empfiehlt sich, eine gegenständlich beschränkte Generalvollmacht mit Handlungsanweisungen im Innenverhältnis zu erstellen. Dabei ist auf die unterschiedlichen Rechtsformen zu achten (bei Kapital- und Personengesellschaften sollte von Generalvollmachten nur in inhaltlich reduzierter Weise Gebrauch gemacht werden, vgl. Reymann, ZEV 2005, 461; Schippers, DNotZ 2009, 353). I.d.R. ist es sinnvoll, eine Trennung der Unternehmer-Vorsorgevollmacht von der für den „privaten“ Bereich erteilten General- und Vorsorgevollmacht vorzunehmen.

Die Ausgestaltung des Innenverhältnisses ist abhängig von den Zielvorstellungen des Unternehmers bzw. Gesellschafters, u.a.:

  • Unternehmensfortführung bzw. Halten der Beteiligung ?
  • Liquidation des Unternehmens, Ausscheiden als Gesellschafter ?
  • Verkauf des Unternehmens bzw. der Beteiligung ?
  • Teilentgeltliche oder unentgeltliche Übertragung des Unternehmens bzw. der Beteiligung ?
  • Umwandlung des Einzelunternehmens ?

Die Vorsorgevollmacht sollte notariell beurkundet oder zumindest die Unterschrift bei der Betreuungsbehörde beglaubigt werden.

Abstimmung mit Gesellschaftsvertrag

Nicht nur die letztwillige Verfügung muss mit dem Gesellschaftsvertrag abgestimmt werden, sondern auch die Vorsorgevollmacht des Gesellschafters. Bei einer GmbH findet sich mitunter folgende Formulierung: Jeder Gesellschafter kann sich in der Gesellschafterversammlung nur von einem anderen Gesellschafter oder einem Angehörigen der rechts-, steuerberatenden oder wirtschaftsprüfenden Berufe, der in solchen Fällen gesetzlich zur Berufsverschwiegenheit verpflichtet ist, vertreten lassen oder sich des Beistandes einer solchen Person bedienen. Gehört der Bevollmächtigte (z.B. designierter Unternehmensnachfolger Sohn oder Tochter) nicht zu diesem Personenkreis, ist eine Vertretung in der Gesellschafterversammlung nicht möglich.

Bei Personengesellschaften ist zu beachten, dass eine Stimmrechtsvertretung im Gesellschaftsvertrag zugelassen sein muss oder ein dementsprechender einstimmiger Zulassungsbeschluss aller Gesellschafter vorliegen muss.

Das „selbstgestrickte“ Testament

Ich verteil dann mal

In „selbstgestrickten“ Testamenten bzw. Laientestamenten werden häufig Vermögensgegenstände verteilt, ohne eine Person zum Erben zu bestimmen. Den Testierenden ist nicht bekannt, dass die Erbfolge bezüglich einzelner Gegenstände dem BGB grundsätzlich fremd ist. Es muss immer (mindestens) einen Erben geben!

Sofern der Erblasser über sein gesamtes Vermögen verfügt hat, kommt entgegen der Auslegungsregel des § 2087 Abs. 2 BGB eine Erbeinsetzung der mit einzelnen Gegenständen oder Vermögensgruppen bedachten Personen in Betracht. Eine solche testamentarische Aufteilung des Nachlasses kann als mit einer Teilungsanordnung verbundene Erbeinsetzung angesehen werden, wobei sich die jeweilige Erbquote aus dem Verhältnis des Wertes des zugewendeten Vermögensteils zum Wert des Gesamtnachlasses ergibt. Unter Berücksichtigung der Wertverhältnisse kann die Auslegung aber auch ergeben, dass nur eine der bedachten Personen zum Erben eingesetzt ist, während den anderen lediglich Vermächtnisse zugewendet sind.

Mit oder ohne Wertausgleich

Nicht selten werden einem Miterben einzelne Vermögensgegenstände zugewiesen, ohne jedoch zu regeln, ob es sich insoweit um eine Teilungsanordnung oder ein Vorausvermächtnis handelt. Bei einer Teilungsanordnung muss sich der Miterbe den Wert des Nachlassgegenstandes auf seinen Erbteil anrechnen lassen. Sofern der Wert hierbei nicht ausreicht, muss vom Miterben aus eigenem Vermögen eine entsprechende Ausgleichszahlung geleistet werden (mögliche Liquiditätsbelastung). Zudem ist eine Bewertung des Gesamtnachlasses erforderlich. Der Miterbe kann die Übernahme des ihm durch eine Teilungsanordnung zugewiesenen Gegenstandes grundsätzlich nicht verweigern (Ausnahme: Erblasser wollte ihm nur ein Übernahmerecht und keine Übernahmepflicht einräumen). Das Vorausvermächtnis wird dem bedachten Miterben ungekürzt – noch vor der Erbauseinandersetzung und ohne Anrechnung auf den Erbteil – gewährt („zusätzlich zum Erbteil“).

Verweisung auf den Pflichtteil

Sofern eine Person nur seinen Pflichtteil erhalten soll, ist auch dies eindeutig und klar zu regeln. Die Auslegung kann ergeben, dass es sich um eine Erbeinsetzung (beachte aber § 2304 BGB), Enterbung oder Vermächtniszuwendung handelt.

Optimales Testament

Angesichts der Komplexität des Erbrechts ist es dringend geboten, ein privatschriftliches Testament nur mit professioneller Unterstützung durch eine(n) Rechtsanwältin/Rechtsanwalt oder ein notarielles Testament zu errichten. Allerdings erfordert eine optimale letztwillige Verfügung immer zuvor eine wirtschaftliche Analyse (statische Liquiditätsplanung auf der Basis des Vermögens, dynamische Liquiditätsplanung in Form einer Einnahmen-/Ausgabenrechnung) und einen Abgleich mit den Zielen und Wünschen. Mit unserer Beratungssoftware F.I.N.E.S.S werden wirtschaftliche Analyse und Erarbeitung der Zielvorstellungen erst möglich.

Ehe für alle

Ehe für alle ab 01.10.2017

Sehr kurzfristig vor dem Ende der Legislaturperiode hat der Deutsche Bundestag eine Änderung im BGB beschlossen, die die Ehe für alle ermöglicht. Ab dem 1.10.2017 tritt die Änderung des § 1353 BGB in Kraft, der dann lautet: Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.

Ab 01.10.2017 ist der Abschluss der Lebenspartnerschaft nicht mehr möglich

In Zukunft können gleichgeschlechtliche Partner nur noch die Ehe eingehen, der Abschluss einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ist ab dem 1.10.17 nicht mehr möglich.

Was passiert mit bestehenden eingetragenen Lebenspartnerschaften?

Schon geschlossene eingetragene Lebenspartnerschaften bleiben als solche bestehen, sie werden nicht automatisch in eine Ehe umgewandelt. Wünschen die Partner dies, so müssen sie gemeinsam auf dem Standesamt erklären, nunmehr eine Ehe auf Lebenszeit führen zu wollen.

Auswirkung auf die Beratung

Für die Beratung hat die Ehe für alle keine Auswirkung. Schon bisher waren Ehegatten und eingetragene Lebenspartner güterrechtlich gesehen gleichgestellt, das ändert sich auch nicht. Wenn Sie in der Beratung auf eine korrekte Bezeichnung Wert legen, so werden ab dem 1.10.17 einheitlich alle, die ab diesem Termin die Ehe schließen, als Ehegatten bezeichnet. Haben Sie Kunden, die seit 2001 bis zum 30.9.17 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen sind, so müssen Sie nachfragen, ob die Partner eine Umwandlung in die Ehe vorgenommen haben, ansonsten bleibt hier die Bezeichnung eingetragener Lebenspartner bestehen.

Erfassung in F.I.N.E.S.S.

In F.I.N.E.S.S. stehen Ihnen bei der Personenerfassung die Attribute verheiratet und Lebenspartnerschaft zur Verfügung. Bei allen ab dem 01.10.2017 geschlossenen Ehe verwenden Sie einheitlich verheiratet. Bei Lebenspartnerschaften die vorher geschlossen worden sind steht Ihnen auch weiterhin das Attribut Lebenspartnerschaft zur Verfügung.

Wesentliche Änderung

Die wesentliche Änderung, die die Möglichkeit der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bringt, ist die Möglichkeit, jetzt gemeinsam Kinder zu adoptieren. Dies war bislang nicht möglich, da im Adoptionsrecht stets nur von „Ehepaaren“ die Rede war.

Bayern erwägt eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.

Derzeit werden die Erfolgsaussichten einer solchen Klage geprüft. Unabhängig von einer Klage kann aber ab 1.10.17 die Ehe auch von gleichgeschlechtlichen Paaren eingegangen werden.

 

Übersicht Notarkosten

Gebühr und Geschäftswert

Gebührentatbestand Gebühr und Geschäftswert
Ehevertrag 2,0, mindestens 120 €

Geschäftswert bei Wechsel Güterstand: Summe der Werte der gegenwärtigen Vermögen beider Ehegatten – modifiziertes Reinvermögen (Verbindlichkeiten werden bis zur Hälfte des Aktivvermögens jedes Ehegatten abgezogen; Mindestgeschäftswert = halbes Aktivvermögen)

Geschäftswert bei Modifikationen des Güterstands: grundsätzlich wie vorstehend (modifiziertes Reinvermögen), jedoch wenn der Ehevertrag nur bestimmte Vermögenswerte betrifft, deren Wert, höchstens jedoch modifiziertes Reinvermögen (§ 100 GNotKG)

Geschäftswert bei Ausschluss oder Modifikation Versorgungsausgleich: Wert des Rechtsverhältnisses (§ 97 GNotKG)

Geschäftswert bei Unterhaltsvereinbarungen: § 52 GNotKG

Dazu können kommen: Auslagen, 19 % Mehrwertsteuer, Kosten für Registrierung im Testamentsregister (je 15 €)
Gemeinschaftliche Testamente, Erbverträge, Verzichtsverträge 2,0, mindestens 120 €

Geschäftswert, wenn über den ganzen Nachlass oder einen Bruchteil verfügt wird: Wert des Vermögens oder Wert des entsprechenden Bruchteils des Vermögens (Verbindlichkeiten werden bis zur Hälfte des Werts des Vermögens abgezogen) (§ 102 Abs. 1 GNotKG)

Geschäftswert bei Erb-, Zuwendungs- und Pflichtteilsverzichtsverträgen: Erb- bzw. Pflichtteilsquote am modifizierten Reinvermögen maßgeblich (§ 102 Abs. 4 GNotKG)

Dazu können kommen: Auslagen, 19 % Mehrwertsteuer, Kosten für Registrierung im Testamentsregister (je 15 €)
Testamente, Aufhebung Erbvertrag, eidesstattliche Versicherung 1,0 (mindestens 60 €, außer eidesstattliche Versicherung) (Hinweis: wird mit der Niederschrift über die Abnahme der eidesstattlichen Versicherung zugleich ein Erbscheinsantrag an das Nachlassgericht beurkundet, wird mit der 1,0 Gebühr für die Abnahme auch das Beurkundungsverfahren abgegolten)

Geschäftswert für die eidesstattliche Versicherung zur Erlangung des Erbscheins: Wert des Nachlasses im Zeitpunkt des Erbfalls nach Abzug der vom Erblasser herrührenden Verbindlichkeiten (Erblasserschulden) anzusetzen; Erbfallschulden (Pflichtteilsansprüche, Vermächtnisse) sind nicht mehr abzuziehen

Dazu können kommen: Auslagen, 19 % Mehrwertsteuer, Kosten für Registrierung im Testamentsregister (je 15 €)
Vorsorgevollmacht (Generalvollmacht) 1,0, mindestens 60 €

Geschäftswert: Hälfte des Vermögens, maximal 1.000.000 € (§ 98 Abs. 3, 4 GNotKG); Erhöhung des Geschäftswerts um grds. 5.000 € bei zusätzlicher Beurkundung Betreuungs- und Patientenverfügung (§§ 97, 36 Abs. 2, 3 GNotKG)

Dazu können kommen: Auslagen, 19 % Mehrwertsteuer, Kosten für Registrierung im Zentralen Vorsorgeregister (8,50 €)

Gebührentabelle

Gebühr
Geschäftswert in € 0,5 1,0 2,0
50.000 82,50 € 165 € 330 €
100.000 136,50 € 273 € 546 €
250.000 267,50 € 535 € 1.070 €
500.000 467,50 € 935 € 1.870 €
1.000.000 867,50 € 1.735 € 3,470 €
2.000.000 1.667,50 € 3.335 € 6.670 €
5.000.000 4.067,50 € 8.135 € 16.270 €

 Siehe auch: http://www.bnotk.de/Buergerservice/Notarkosten/index.php

Neue Probleme beim Nießbrauch ?

Die Last mit der Lastenverteilung

In der täglichen Beratungspraxis gehört es mittlerweile zum Standardrepertoire eines Netzwerkpartners, die gesetzliche Lastenverteilung beim Nießbrauch durch vertragliche Vereinbarung zu ändern. In der Regel werden auch die größeren Erhaltungsaufwendungen dem Übergeber auferlegt, um einen „Werbungskostenleerlauf“ zu verhindern.

Zur Verdeutlichung soll das folgende Beispiel dienen:

Mutter M überträgt ihrem Sohn S eine vermietete Immobilie und behält sich den lebenslangen dinglichen Nießbrauch vor. Die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung werden weiterhin von M erklärt. 3 Jahre nach der Übertragung stehen größere Erhaltungsaufwendungen an in Form des Einbaus einer Zentralheizungsanlage sowie weitere Sanierungsmaßnahmen. Die Aufwendungen betragen 217.000 €.

In den Einkommensteuererklärungen für die Mutter wird eine Verteilung der Erhaltungsaufwendungen auf fünf Jahre (vgl. § 82b EStDV) beantragt. Innerhalb dieses Zeitraums stirbt die Mutter. Der Sohn S als Alleinerbe möchte die bei seiner Mutter nicht berücksichtigten Erhaltungsaufwendungen als Werbungskosten bei seinen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehen.

Urteil des FG Berlin-Brandenburg

Das FG Berlin-Brandenburg vertritt in seinem Urteil v. 12.7.2017, 7 K 7078/17 die Auffassung, dass eine Übertragung verbleibender Aufwendungen nach § 82b EStDV in Rechtsnachfolgefällen generell ausscheide, insbesondere aber im hier vorliegenden Fall, in dem ein Vorbehaltsnießbraucher Erhaltungsaufwendungen trage, nach § 82b EStDV verteilt, im Verteilungszeitraum sterbe und vom Grundstückseigentümer beerbt werde. Die Revision zum BFH wurde zugelassen.

Auch das FG Münster (Urteil v. 15.4.2016, 4 K 422/15 E, rkr.) kommt zu dem Ergebnis, dass der Eigentümer die Erhaltungsaufwendungen, die der Nießbraucher nach § 82b EStDV auf mehrere Jahre verteilt hat, nicht nach Beendigung des Nießbrauchs innerhalb des Verteilungszeitraums in Höhe des verbliebenen Teils als Werbungskosten geltend machen kann. Allerdings wurde hier der Nießbrauch durch Vereinbarung des Eigentümers und des Nießbrauchers aufgehoben.

Rentenbeginn, Rentenabschläge und Zusatzbeiträge

 

Jüngst wurde in einigen Zeitungen (u.a. Handelsblatt v. 1./2./3. September 2017: „Geld verdienen mit der Rente“) auf die Möglichkeit der Zahlung von Zusatzbeiträgen ab einem Alter von 50 Jahren in die gesetzliche Rentenversicherung hingewiesen, um spätere Rentenabschläge auszugleichen. Kunden und deren Beratern ist aber häufig nicht bewusst, wann überhaupt eine vorzeitige Inanspruchnahme möglich ist.

Übersicht Renteneintritt und vorzeitige Inanspruchnahme

Die nachfolgende Übersicht berücksichtigt nicht die Vertrauensschutzregelungen.

Rentenart Altersgrenze Vorzeitige Inanspruch-nahme möglich

Regelaltersrente

(Wartezeit: 5 J.)

Geburtsjahr vor 1947: 65 Jahre

Geburtsjahr 1947-1963: stufenweise Anhebung

Geburtsjahr ab 1964: 67 Jahre

nein
Altersrente für langjährig Versicherte

(Wartezeit: 35 J.)

Geburtsjahr vor 1949: 65 Jahre

Geburtsjahr 1949-1963: stufenweise Anhebung

Geburtsjahr ab 1964: 67 Jahre

ja ab 63

Abschlag von 0,3 % pro Monat, maximal 14,4 %

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

(Wartezeit: 45 J.)

Geburtsjahr vor 1953: 63 Jahre

Geburtsjahr 1953-1963: stufenweise Anhebung

Geburtsjahr ab 1964: 65 Jahre

nein
Altersrente für schwerbehinderte Menschen

(Wartezeit: 35 J.)

Geburtsjahr vor 1952: 63 Jahre

Geburtsjahr 1953-1963: stufenweise Anhebung

Geburtsjahr ab 1964: 65 Jahre

ja ab 60 (mit stufenweiser Anhebung)

Abschlag von 0,3 % pro Monat, maximal 10,8 %

Natürlich ist ein Ausgleich von Rentenabschlägen durch Zusatzbeiträge nur bei Arbeitnehmern möglich, die die Voraussetzungen für eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen erfüllen. Andernfalls wird eine entsprechend höhere Rente gezahlt.

Die Deutsche Rentenversicherung weist auf ihrer Homepage darauf hin, dass Versicherte seit dem 1.7.2017 bereits ab dem 50. Lebensjahr von der Rentenversicherung eine Auskunft (Rentenauskunft) anfordern können, welcher Betrag zum Ausgleich von Rentenabschlägen erforderlich ist (vgl. dazu auch § 109 SGB VI).

Ruhestandsplanung mit F.I.N.E.S.S

Eine optimale Ruhestandsplanung erfordert eine professionelle Beratungssoftware. Nicht nur die wirtschaftliche Analyse der Auswirkungen des Todes- und eines eventuellen Pflegefalls können in F.I.N.E.S.S abgebildet werden, sondern auch der (geplante) Renteneintritt und die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen.

Nießbrauch in der Vermögensnachfolge

Nießbrauch: die „Eierlegende Wollmilchsau“ in der Vermögensnachfolge?

Oder: Warum ich ein bekennender Nießbrauchsgegner bin!

Ein Blick in die Vergangenheit:

Der Nießbrauch ist ein uraltes Gestaltungsinstrument. Der Begriff Nießbrauch (Lehnübersetzung des lateinischen ūsus frūctus – Früchtegenuss) taucht erstmals im Jahr 1496 im Berner Ratsmanual auf.

Das Grundmotiv des Nießbrauchs ist von jeher die Versorgung des Berechtigten. Dies hatte in einer Zeit ohne ein vernünftiges und funktionierendes Altersvorsorgesystem sicherlich auch seine Berechtigung. Hinzu kommt, dass das Nießbrauchsrecht in den meisten Fällen zeitlich über einen überschaubaren zeitlichen Rahmen Bestand hatte (geringere Lebenserwartungen als heute).

Wie sieht es heute aus:

Die Übertragung gegen Nießbrauch ist auch heute noch ein beliebtes Gestaltungsinstrument im Rahmen der Vermögensnachfolge. Dabei steht heute in vielen Fällen das Versorgungsmotiv nicht mehr im Vordergrund. Häufig geht es um steuerliche Aspekte und den Zurückbehaltungsanspruch. Dr. Sebastian Spiegelberger (ehem. Notar in Rosenheim) hat das Motiv seiner Kunden anhand einer Mandantenaussage treffend wie folgt beschrieben.

„Herr Doktor es muas was geschehgn aber es derf nix passiern“
(„Es muss was geschehen, aber es darf nichts passieren“)

Aspekte der Nießbrauchgestaltung:

Bei der Übertragung gegen Nießbrauch sind folgende Aspekte zu berücksichtigen und in die Überlegungen mit einzubeziehen.

  • Menschlich–emotionale Aspekte der Beteiligten
  • wirtschaftliche und finanzielle Aspekte
  • rechtliche Aspekte
  • steuerliche Aspekte

Fallbeispiel:

Am nachfolgenden Beispiel (realer Fall aus der Beratungspraxis) möchte ich die oben aufgeführten Aspekte näher durchleuchten:

Max Blaubart (65 Jahre), verheiratet im gesetzlichen Güterstand mit Maria Blaubart (61 Jahre), zwei erwachsene Kinder, Eva (31 Jahre) und Martin (34 Jahre).

Max Blaubart ist Eigentümer eines Mehrfamilienhauses (12 Wohneinheiten) in Freising. Das Objekt hat Max Blaubart im Jahr 2002 aus dem Erbe seines Vaters erhalten. Die Nettomieteinnahmen belaufen sich auf T€ 120 p.a.  Der Verkehrswert des Objektes beläuft sich nach Markteinschätzungen auf 2,7 Mio. €. Die Verwaltung des Objektes tätigt Herrn Max Blaubart selbst.

Max Blaubart überlegt sich aus erbschaftsteuerlichen Gründen das Mehrfamilienhaus bereits zu Lebzeiten an seine beiden Kinder, Eva und Martin zu übertragen. Da er auch weiterhin das Sagen in Bezug auf die Immobilie haben möchte, soll die Übertragung gegen Einräumung eines Vorbehaltsnießbrauchs erfolgen. Ferner möchte er auch nicht vollständig auf die Mieteinnahmen verzichten.
  1. Menschlich-emotionale Aspekte:

    1. Wie sieht das Verhältnis der Kinder untereinander aus?
    2. Wie stehen die Kinder zu dem geplanten Übertragungsobjekt (würden sie es bei freier Entscheidung behalten oder Verkaufen)?
    3. Sind die Kinder bereit und in der Lage, das Objekt selbst zu bewirtschaften?
    4. Wie steht Maria Blaubart zu dem Objekt und zu dem Vorhaben?
    5. Wer kümmert sich um das Objekt, wenn Max Blaubart aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht mehr in der Lage ist=
    6. Ist das Objekt heute schon eine Belastung für die Eheleute Max und Maria Blaubart?
    7. Möchte Herr Blaubart, so lange er lebt, die Möglichkeit haben, das Objekt zu veräußern?
    8. Ist man sich bewusst, dass es nicht unrealistisch ist, dass die Kinder erst wenn sie selbst schon das 60. Lebensjahr erreicht haben, über die Immobilie verfügen können?
  2. Wirtschaftliche und finanzielle Aspekte

    1. in welchem Zustand befindet sich das Objekt (anstehende Renovierungs- Modernisierungsarbeiten, Renovierungsstau, usw.)?
    2. Sind noch Finanzierungen vorhanden?
    3. Ist in absehbarer Zeit ein Finanzierungsbedarf vorhanden?
    4. Wie ist die Zukunftsprognose für das Objekt?
    5. Wie hoch ist die Steuerbelastung aus der geplanten Übertragung und können bzw. wollen die Kinder die anfallende Steuer bezahlen?
    6. In welchem Umfang ist die Altersversorgung der Eheleute Max und Maria Blaubart von den Mieteinnahmen abhängig
    7. Ist die Versorgung von Maria nach Übertragung gegen Nießbrauch auch beim Erstversterben von Max gesichert?

      .
  3. Rechtliche Aspekte

    1. Wie wird die Lastenverteilung geregelt?
    2. In welchem Umfang soll die Übertragung gegen Nießbrauch auf spätere erbrechtliche Ansprüche angerechnet werden?
    3. Wie wird sichergestellt, dass es im Falle der Handlungsunfähigkeit eines der Beteiligten zu keinen „Störungen“ kommt? Erforderlich ist die Abstimmung mit den vorhandenen bzw. noch zu erstellenden Vollmachtregelungen der Beteiligten und Berücksichtigung im Innenverhältnis.
    4. Wie wird die Versorgung von Maria Blaubart, die nicht Eigentümerin des Grundstücks ist, sichergestellt?

  4. steuerliche Aspekte

    1. Wie hoch ist der Steuerwert des Mehrfamilienhauses?
    2. Wich hoch ist der Steuerwert des Nießbrauchsrechts?
    3. Welche Erbschaftsteuerliche Belastung ergibt sich hieraus?
    4. Steuerliche Auswirkungen der Übertragung?
      1. Auf den Übergeber
      2. Auf die Übernehmer
      3. Entsteht eine Steuer, wenn der Nießbrauch auf den Ehegatten erweitert wird?
        ..
        Anmerkung:
        Bei dem dargestellten Fall und dem Mehrfamilienhaus handelt es sich um einen realen Fall. Nachfolgend die steuerlichen Ergebnisse:
        ….
        Steuerwert der Immobilien:
        Der Steuerwert des Objektes (Ertragswertverfahren §§ 184 – 189 BewG) beträgt:
        vor Privilegierung:    € 1.696.344nach Privilegierung:  € 1.526.709Wir erinnern uns, der Verkehrswert beträgt 2,7 Mio. Derart hohe Abweichungen Verkehrswert zu Steuerwert sind aktuell aufgrund der hohen Immobilienpreise im Ballungsgebieten nicht die Ausnahme sondern vielmehr die Regel


        Steuerwert des Nießbrauchsrechts – Schenkungsteuer:
        Der Steuerwert des Nießbrauchsrechts beträgt € 1.043.704 (939.337 sind aufgrund der Privilegierung steuerlich abzugsfähig). Aufgrund der Beschränkung des Jahreswertes und dem Zinssatz von 5,5% der für die Abzinsung angewandt wird, ist der Steuerwert unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten deutlich zu gering.

        Die Steuerbelastung je Kind beträgt unter der Voraussetzung, dass die Freibeträge nicht ausgenutzt sind, € 5.071- (zusammen somit € 10.142,-)

        Vermeintlicher steuerlicher Vorteil:
        Eine Übertragung ohne Gegenleistung, z.B. im Rahmen eines Erbfalls an die beiden Kinder, würde eine Erbschaftsteuerbelastung von je € 54.503 (€ 109.006) nach sich ziehen. Rechnerisch gesehen ergibt sich hieraus ein Steuervorteil von € 98.864. Eine stolze Steuerersparnis. Zu berücksichtigen sind die Kosten für die Übertragung (Notar und Grundbuch) in unserem Fall liegen die Kosten bei ca. 14.000 €.Aber womit erkaufe ich mir diesen Steuervorteil von bereinigt ca. 85.000 €, was ist also die Kehrseite der Medaille?

  5. Die Kontras des Nießbrauchs:

    1. Max Blaubart kann nicht mehr frei über das Mehrfamilienhaus verfügen. Eigentümer sind seine beiden Kinder zu gleichen Teilen. Also ist ein Verkauf durch Max, wenn z.B. die Einnahmen nicht ausreichen sollten, nicht mehr möglich.
    2. Die gesetzliche Lastenverteilung führt bei den Kindern in Bezug auf anstehende außergewöhnliche Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten zu einem Werbungskostenleerlauf.
    3. Bei Nettonießbrauch, d.h. der Nießbraucher übernimmt auch die außergewöhnlichen Erhaltungsaufwendungen, können diese bei Durchführung eine aufschiebend bedingte Zuwendung (Schenkung) darstellen. Dies könnte eine weitere Steuerbelastung nach sich ziehen.
    4. Eine Fremdfinanzierung von Modernisierungsmaßnahmen ist nur möglich, wenn seitens des Nießbrauchsberechtigten ein Rangrücktritt erfolgt.
    5. Generell wird unter Berücksichtigung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie die Finanzierung von Objekten mit Nießbrauchsvorbehalt sowohl für den Nießbrauchsberechtigten wie auch für den Eigentümer problematisch sein.
    6. Die Beteiligten werden im Regelfall über Jahrzehnte förmlich aneinander gekettet. Gemäß den aktuellen Sterbetafeln beträgt die „Restlebenserwartung“ eines 65-jährigen Mannes 18, die einer 61-jährigen Frau fast 25 Jahre.
    7. Die Eigentümer lernen nicht frühzeitig, Verantwortung für den übertragenen Grundbesitz zu übernehmen.
    8. Betrachtet man sich Objekte, die in der Vergangenheit gegen Nießbrauch übertragen wurden, stellt man häufig einen erheblichen Renovierungsstau fest. Die Gründe hierfür:
      1. Der Eigentümer hat kein Interesse, da er keine Einnahmen hat und die Aufwendungen steuerlich nicht absetzen kann.
      2. Dem Nießbraucher reichen die Erträge so, wie sie sind, bzw. er ist nicht bereit und gewillt zu investieren.
    9. Ist die Altersversorgung des Übergebers auch ohne Nießbrauch sichergestellt, wird mit den Mieteneinnahmen zusätzliches Vermögen aufgebaut, was im Ergebnis im Erbfall die vermeintliche Erbschaftsteuerersparnis konterkariert.
    10. Wird der Nießbraucher handlungsunfähig und sind keine oder ungenügende Vertretungsregelungen vorhanden, kann dies zu unerwünschten Konsequenzen (Wahrnehmung der Rechte durch einen Betreuer, usw.) führen. Gleiches gilt für eine später eintretende Sozialhilfebedürftigkeit des Nießbrauchers (Überleitung von Rechten).
    11. Wird im Rahmen der Übertragung gegen Vorbehaltsnießbrauch keine eindeutige Wertfeststellung und Anrechnungsbestimmung getroffen und diese mit den erbrechtlichen Regelungen abgestimmt, kann dies im Erbfall erhebliche Probleme nach sich ziehen.

Wie soll also mit dem Wunsch nach einer Übertragung gegen Nießbrauch umgegangen werden?

Die Übertragung gegen Vorbehaltsnießbrauch bedarf einer intensiven Beschäftigung mit den o.g. Aspekten (Anamnese).

Die menschlichen und emotionalen Aspekte sollten auch mit den Beschenkten erläutert werden.

Die finanziellen und wirtschaftlichen Aspekte sind in einer objektspezifischen Betrachtung in Bezug auf das Übertragungsobjekt zu beurteilen.

Im Rahmen einer Finanz- und Vermögensnachfolgeplanung ist der Versorgungsstatus in den jeweiligen Lebensphasen und für die Hinterbliebenenversorgung zu ermitteln (Diagnose).

Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse und Informationen können die darauf aufbauenden Entscheidungen getroffen werden (Therapie).

Alternative Gestaltungsmöglichkeiten:

Neben der Übertragung gegen Vorbehaltsnießbrauch sollten auch andere Gestaltungsalternativen geprüft werden. Dies könnten z.B. sein:

  • Übertragung gegen Rentenzahlung
  • Übertragung gegen Abstandszahlung
  • Gründung und Einbringung in eine Familiengesellschaft und anschließende Anteilsübertragung
  • Verkauf der Immobilie und Teilübertragung des Verkaufserlöses (ggf. erst übertragen und dann gemeinschaftlich verkaufen)
  • Nichts tun – und alles beim Altern belassen.

Wurde wie oben beschrieben vorgegangen, hat der Klient auch den erforderlichen Kenntnisstand, um eine Entscheidung in Bezug auf die vorgeschlagenen alternativen Gestaltungsmöglichkeiten treffen zu können.

Zusammenfassung:

Leider ist es bedauerlicher Weise der Regelfall, das Klienten von ihren Beratern zu Rechtsanwälten, Notaren und Steuerberatern verwiesen werden bevor die Rahmenbedingungen erarbeitet und die Möglichkeiten der finanziellen und wirtschaftlichen Vorsorge geregelt und ausgeschöpft sind.

In den meisten Fällen, in denen ich im Rahmen der Vermögensnachfolgeplanung mit bereits vollzogenen Übertragungen gegen Nießbrauch konfrontiert wurde, musste ich feststellen, dass die Nießbraucher (als früherer Eigentümer und Schenker) sich der Tragweite der Übertragung nicht bewusst waren. Überwiegend lag ein steuerliches Motiv für die Übertragung vor. Nicht selten bekomme ich zu hören:  „wenn ich das gewusst hätte, hätte ich keinesfalls übertragen“.

In den Fällen, in denen ich aktiv in die Vermögensnachfolgeplanung eingebunden bin und auf der Grundlage der Beratung Vorschläge für Gestaltungen ausarbeite, erfahre ich höchste Dankbarkeit für die Darstellung von Handlungsalternativen und der Gegenüberstellung dieser.

Entscheidungsrelevant sind überwiegend die menschlichen, emotionalen und finanziellen Aspekte.

Es gilt auch hier unser Leitsatz:

Die finanzielle Vorsorge ist die Grundlage der rechtlichen und steuerlichen Gestaltungen. Nur über das, was vorhanden ist, können auch Regelungen erstellt werden.

Nutzen Sie die Möglichkeiten und Chancen, die in einer an den Vorstellungen des Kunden orientierten, finanziell und rechtlich abgestimmten Vorsorge für den Erlebens- und Todesfall liegen. Ihr Kunden werden es Ihnen danken und der finanzielle Erfolg ist Ihnen sicher.

Um Beratungen auf dem dargestellten Niveau effizient durchführen zu können, sind neben dem erforderlichen Fachwissen auch die dafür richtige Methodik und professionelle Beratungsinstrumente erforderlich. Das GeNe Estate Planner Studium und das Beratungssystem F.I.N.E.S.S. beinhaltet alles, was Sie für eine erfolgreiche Beratung benötigen.

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Herzlichen Dank

Ihr Heinz Angermair